Als uns fast der Blitz traf

Alles anders als geplant

Eigentlich hatten wir vor, wie seit Wochen geplant, endlich auf die Benediktenwand zu gehen, aber wie das bei Frauen öfter vorkommt, haben wir uns am Vorabend völlig verquatscht. Statt früh ins Bett zu gehen, wie wir es eigentlich vor hatten, saßen wir um 4 Uhr morgens immer noch brabbelnd auf der Couch (kann schon mal passieren).

Das ganze hatte allerdings zur Folge, dass wir nicht aus dem Bett kamen und hoffnungslos verschliefen. 

Als uns das Bett endlich aus der Geiselnahme entlassen hatte, waren wir immer noch alles andere als fit. Selbst nach dem 5ten Kaffee war noch keine Besserung in Sicht. 

Für die Benediktenwand waren wir schon viel zu spät dran und auch viel zu kaputt, also machte ich mich auf die Suchen nach einer anderen, leichteren und kürzeren Wanderung.

Ein neues Ziel und neue Motivation

Nach einiger Zeit stieß ich auf eine Wegbeschreibung der Kampenwand, die einfacher, kürzer und trotzdem sehr interessant klang. Das neue Ziel war gefunden. Um nicht noch mehr Zeit zu vergeuden, rafften wir uns endlich auf und fuhren los. Kaum hatten wir die Berge vor Augen, war unsere Vorfreude nicht mehr zu zügeln. Es ist einer unserer liebsten Augenblicke, wenn wir die Straße entlang fahren, und nach und nach immer mehr Berge vor uns auftauchen und dazu das Wissen, dass wir die nächsten Stunden auf einem von ihnen verbringen werden. Das ist jedes Mal aufs Neue ein Gänsehautmoment für uns. Den Parkplatz erreicht, hieß es nur noch Wanderstiefel an und los geht es.

Hoch motiviert und mit bestem Wetter starteten wir auf den Berg. Wir folgten dem breiten Forstweg, dem Bach entlang und es dauerte mal wieder nicht lange, bis uns der Schweiß hinunter lief, wir schwer atmeten und uns fragten was zur Hölle wir hier eigentlich taten. Es kann einfach nicht normal sein, Stundenlang bei brüllender Hitze sich einen Berg hinauf zu quälen. Diese Augenblicke verdrängen wir im Nachhinein gerne und erinnern uns nur an den wunderschönen Gipfel und die tolle Aussicht. An all die Qualen beim Aufstieg denkt man einfach immer nur ungerne zurück. Sonst würde wahrscheinlich keiner mehr freiwillig auf einen Berg gehen. 

Scheinbar unendlich folgten wir dem Forstweg (wir hassen Forstwege), bis endlich seitlich ein kleiner Pfad abging, der uns zur ersten Alm führte. Wir entscheiden uns für eine kleine Pause, bevor es weiter zur 2ten Alm gehen sollte, nach der es dann über einen steilen und felsigen Pfad hinauf zum Gipfel weiter ging.

 

Ich glaub es donnert

Während unserer Pause bei der ersten Alm, zog das Wetter langsam zu. Dunkle Wolken kamen näher, es begann zu nieseln und in der Ferne hörte man das Donnergrollen. Wir beschlossen, schnell weiter zu gehen, um es bis zur nächsten Alm (laut Wegbeschreibung nicht weit weg) zu schaffen, bevor das Unwetter so richtig los ging. Hinter uns hörten wir noch, wie die Wirtin zu ihrem Kollegen sagte, das wir wohl bescheuert seien, aber das ignorierten wir. Wir waren uns sicher, dass wir die halbe Stunde zur nächsten Alm noch schaffen würden, bevor es wirklich hässlich wurde. 

In unseren Regenjacken, stapften wir hoch motiviert weiter, während der Regen immer Stärker wurde. Leider wieder auf einen breiten Forstweg. Etwa eine halbe Stunde später, standen wir an einer Weggabelung, weit und breit keine Alm in Sicht, als es so dicht bei uns donnerte, dass wir schon fürchteten jeden Augenblick vom Blitz getroffen zu werden. 

Da standen wir also, mitten im Gewitter. Man spürte regelrecht die Elektrizität, die in der Luft lag. Wir legten die metallenen Wanderstöcke sicherheitshalber beiseite, und stellten uns unter. 

Es dauerte eine ganze Weile, bis das Gewitter weiter zog und ich glaube keiner von uns beiden hat sich schon einmal so unwohl in den Bergen gefühlt. Wir spielten mit dem Gedanken umzudrehen, entschieden uns dann aber dafür, noch bis zur nächsten Alm zu gehen und uns dort zu entschieden, ob wir weiter gehen, oder Wetterbedingt lieber umdrehen. 

Wir waren ja bereits eine halbe Stunde gelaufen, also waren wir uns sicher, dass es nicht mehr weit sein konnte.

Nachdem wir gefühlt einmal um den ganzen Berg gelaufen waren, trauten wir unseren Augen kaum, als wir in weiter Ferne eine Alm erspähen konnten. Das gab uns den Motivationsschub den wir so dringend brauchten und wir gingen mit neuer Energie weiter. 

Als wir sie erreicht hatten, war die Verwunderung groß, denn sie hieß definitiv anders, als es in der Wegbeschreibung hieß. Als wir dann das Schild mit „frische Buttermilch“ entdeckten, war uns das aber vollkommen egal. 

Während wir unsere Buttermilch schlürften, sahen wir ein Stückchen weiter, eine andere Alm. Wir waren uns ganz sicher, dass das dann die Alm von der Wegbeschreibung sein musste. Das Unwetter war in der Zwischenzeit weiter gezogen und langsam klarte auch der Himmel wieder auf.

Als wir fertig waren mit unserer Buttermilch, steuerten wir voller neuer Kraft die nächste Alm an und ratet mal. Es war auch nicht die von der Wegbeschreibung. Da war es uns klar. Wer auch immer diese Beschreibung verfasst hatte, litt, wie wir es immer bezeichneten, an einer schweren Form von Bergsteigerdemenz (man verdrängt anstrengende oder nicht schöne Teile einer Wanderung aus seinem Gedächtnis).

Wir kennen dieses Phänomen nur all zu gut. Oben auf dem Gipfel wissen wir nur noch die Hälfte der Strecke und wundern uns dann auf dem Weg nach unten, warum der Weg auf einmal so lang ist (in unserem Fall meist die ungeliebten Forstwege).

Wir folgten an der Alm, die nicht unsere war, einem Wegweiser Richtung Gipfel und erreichten nach unendlich vielen Serpentinen und einer gefühlten Ewigkeit doch tatsächlich die, in der Wegbeschreibung erwähnte Alm. Wir hatten schon gar nicht mehr daran geglaubt.

Endlich wird es interessant

Nachdem wir über Stunden, hässlichen geteerten Forstwegen gefolgt waren, führte nun endlich der Alpine Weg zum Gipfel der Kampenwand. Viel Zeit bis zum Sonnenuntergang blieb uns leider nicht mehr, aber da es nur ein kurzes Alpines Stück war und wir uns den restlichen Abstieg auch im dunklen (mit Stirnlampen) zutrauten, dachten wir nicht einmal an abbrechen.

Wir folgten dem steinigen und felsigen Weg im Zickzack immer weiter Bergauf. Es war ziemlich steil und wir kamen sehr bald ins Schwitzen. Nachdem wir den ersten Teil geschafft hatten, erhob sich vor uns die steile Felswand. Aus gehen wurde kraxeln und je näher wir dem Ziel kamen, umso anspruchsvoller wurde der Weg. Es ging an Drahtseil gesicherten Passagen entlang und über Steigbügel immer weiter hinauf und dann schließlich zwischen die Zinnen der Felswand hindurch.

Der Weg führte weiter, wie durch einen Canyon. Rechts und links die gigantischen Felswände. Es war einfach nur atemberaubend. 

Nachdem wir eine Weile weiter zwischen den Zinnen hindurch gekraxelt waren, kamen wir schließlich zu der Wand, an deren Spitze sich das Gipfelkreuz befand. Der einzige Weg dort hinauf war es, die Felswand über einen schmalen Absatz an einem Drahtseil entlang zu queren. So etwas hatten wir davor noch nie gemacht. Keine Ahnung wie viele Meter es unter uns hinab ging, aber eines ist sicher, für diesen Weg muss man wirklich schwindelfrei sein. Als wir dieses Stück geschafft hatten, ging es noch an ein paar weiteren Drahtseilen entlang bergauf, bis wir die kleine Metallbrücke erreichten, die uns schließlich zum Gipfelkreuz brachte. 

Die Sonne ging langsam hinter den Bergen unter und tauchte den ganzen Himmel in rot und orange. Gibt es etwas schöneres, als einen Sonnenuntergang auf einem Gipfel?

Wir waren auf jeden Fall schwer beeindruckt. Nach einem Eintrag im Gipfelbuch machten wir uns auch schon wieder an den Abstieg.

Da wird’s mal wieder finster

Während wir dem Alpinen Weg wieder zurück folgten, verschwand die Sonne nach und nach, immer weiter hinter den Bergen. Wir mussten uns wirklich konzentrieren, um uns von diesem Naturspektakel nicht ablenken zu lassen. Als wir dann vor einem steilen Abhang standen und kein Weg mehr weiter führte, wussten wir, dass all die Mühe, sich nicht ablenken zu lassen, umsonst gewesen war. Wir hatten uns mal wieder verlaufen. Aber ganz ehrlich… es wäre wohl auch keine richtige Travelinder Wanderung, wenn wir uns nicht mindestens einmal verlaufen hätten.

Es dauerte zum Glück nicht lange, bis wir den richtigen Weg wieder gefunden hatten. Das einzige was wir wirklich nicht hatten war Zeit. Es wäre sicher alles andere als lustig gewesen, den Alpinen Teil im dunklen zu bewältigen.

Endlich wieder auf dem Weg, legten wir noch einen Zahn zu, um es noch bis zum Forstweg zu schaffen, bevor die Sonne ganz weg war. Wir mussten mal wieder feststellen, dass uns das kraxeln bergauf deutlich mehr liegt, als bergab. Wir kamen nur mäßig voran. Als wir dann den Forstweg erreicht hatten, wurde es dann, wie auf Kommando dunkel. Wir setzen die Stirnlampen auf, und folgten dem Weg wieder bergab bis ins Tal. Gegen Mitternacht hatten wir dann endlich das Auto wieder erreicht. Letztendlich war die Route zeitlich wohl gar nicht kürzer als die Benediktenwand, aber das ist dem Verfasser der Wegbeschreibung, wie so einiges anderes, wohl auch entfallen. Der Sonnenuntergang auf dem Gipfel war aber die ganze Mühe wert. Das denken wir jedenfalls. Wer weis, was wir in der Zwischenzeit schon wieder alles verdrängt haben.[/vc_column_text][/vc_column][/vc_row][vc_row][vc_column width=“1/1″][vc_custom_heading]

Was wir daraus gelernt haben

  • Man sollte sich nicht völlig auf Wegbeschreibungen verlassen

  • Wir sind nicht die einzigen, die an Bergsteigerdemenz leiden

  • Gewitter auf einem Berg ist echt alles andere als lustig

  • Es gibt nichts schöneres, als einen Sonnenuntergang auf einem Gipfel

 

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