Benediktenwand

Was lange währt wird endlich gut

So lange geplant, doch nie umgesetzt. Jetzt war es endlich so weit. Das Wetter spielte mit und uns konnte nichts mehr aufhalten. Benediktenwand wir kommen. 

Obwohl wir mal wieder viel zu spät aufgestanden sind, weigerten wir uns einfach, die Wanderung auf die Benediktenwand schon wieder zu verschieben. Wir kommen morgens einfach nie raus. Wenn man im Lexikon Morgenmuffel nachschlägt, bin ich mir ziemlich sicher, dass man dort ein Bild von Natalie und mir findet. 

Um nicht doch wieder auf dem Sofa zu versumpfen, machten wir uns direkt auf nach Benediktbeuern. Dort angekommen mussten wir erst gegen zwei wildgewordene Gänse kämpfen, die es aus irgendeinem Grund auf mein Auto abgesehen hatten. Als wir den Kampf für uns entschieden hatten (nachdem die Gänse eine viertel Stunde versucht hatten mein Auto zu Tode zu schnabeln), machten wir uns dann auf den Weg. 

Endlich geht es los

Überglücklich, es doch noch zur Benediktenwand geschafft zu haben, gingen wir los, immer am Lainbach entlang. Von den üblichen Strapazen wie Schweiß, Hitze, brennenden Beinen und kaum noch Luft bekommen, brauche ich euch gar nicht erst erzählen. Uns wundert es, dass es uns, obwohl wir dieses Jahr wirklich verdammt viele Wanderungen gemacht haben, immer noch nicht leichter fällt, auf einen Berg zu gehen. Das wird sich wohl auch nie ändern. Aber wäre es nicht so anstrengend, würde man sich sicher auch viel weniger über das Erreichen des Gipfels freuen. Das Überwinden des eigenen Schweinehundes und das über die eigenen Grenzen gehen, trägt immerhin sehr viel zu dem Stolz, den man auf dem Gipfel verspürt, bei. Es ist das Selbe, wie wenn man mit der Gondel zum Gipfel fährt. Die Aussicht ist zwar immer noch wunderschön, aber das Gefühl, das den Gipfel ausmacht fehlt. 

Wir folgten dem Bach etwa 45 Minuten, bis unser Weg nach einer kleinen Brücke, auf der linken Seite, steil nach oben ging. Auf dem schmalen Schotterweg kamen wir dann nur noch schwerfällig voran. Keine 5 Minuten auf dem Weg, entschieden wir uns auch schon für eine kleine Verschnaufpause. Wir hatten beide mal wieder mit einer leichten Erkältung zu kämpfen. Könnte daran liegen, dass wir meistens im dunklen und bei Regen vom Berg kommen und dann immer recht durchgefroren sind.

Nachdem wir nicht mehr aus dem letzen Loch pfiffen und uns das Atmen wieder etwas leichter fiel, ging es dann wieder weiter (man merkt, uns geht es nicht darum die Ersten auf dem Gipfel zu sein).

Nachdem wir eine Ewigkeit weiter über den Schotterweg bergauf gegangen waren und wir gefühlt immer 2 Schritte nach oben gemacht hatten und einen wieder hinunter gerutscht waren, hatten wir endlich den Versorgungslift der Trutzinger Hütte erreicht. Ihr habt ja keine Ahnung wie gerne wir mit diesem Ding nach oben gefahren wären, aber es ging zu Fuß weiter. Den Schotterweg hatten wir zum Glück endlich hinter uns gelassen und konnten auf einem Waldweg, in Serpentinen weiter bergauf gehen. Es ging immer weiter durch den Wald und wir konnten nur schwer einschätzen wie hoch wir bereits waren, da wir die Baumgrenze noch nicht erreicht hatten, aber wenn wir einen Blick auf den Weg unter uns warfen, war klar, dass wir sehr schnell, viel Höhe machten. 

Brotzeit ist die schönste Zeit

Nach einem langen kräftezehrenden Marsch (okay vielleicht kam er uns auch nur sehr lang vor) , lichtete sich der Wald und vor uns war die gigantische Felsfront der Benediktenwand zu sehen, mit der im Vergleich, unfassbar klein wirkenden Tutzinger Hütte davor. Nach all der Anstrengung hatten wir uns eine Brotzeit redlich verdient und Natalie hatte Hunger (Natalie hat eigentlich immer Hunger). Wir gingen nochmal einen Schritt schneller, durch das knurren unserer Mägen angetrieben und erreichten schließlich die Trutziger Hütte. Zu unserem entsetzen gab es leider keine Käsespätzle und Spinatknödel mehr, aber ein Brot mit Griebnschmalz erfüllte dann seinen Zweck. Mit Blick auf den Gipfel, überlegten wir, ob wir es wohl noch vor Sonnenuntergang bis nach oben und zumindest auf halbwegs sicheres Gelände zurück schaffen würden. Wir waren uns nicht ganz sicher, wollten es aber auf einen Versuch ankommen lassen. Noch länger hin und her überlegen hätte uns nur noch mehr Zeit gekostet. Wir machten uns also wieder auf den Weg. 

 

Doch weiter als erwartet

Neu gestärkt ging es, quasi im Slalom zwischen den Nordabstürzen, immer weiter auf die Felswand zu, bis wir das Schild erreichten, das nach rechts den einfachen und nach links den etwas anspruchsvolleren Weg zum Gipfel zeigte. Um es interessanter zu gestalten, wählten wir natürlich den linken Weg. 

Für ca. eine halbe Stunde wanderten wir an der Felswand entlang und immer weiter hinauf bis wir eine Sattel erreichten. Zu unserem blanken Entsetzen ging es danach erst einmal wieder ein Stück bergab, um dann nur noch steiler wieder bergauf zum Wandfuß zu führen. Das mögen wir wirklich überhaupt nicht. Entweder soll es bergauf oder bergab gehen, aber doch nicht ständig im Wechsel. Das ist wie ein schlechter Witz (jeder kennt es, keiner mag es).

Ab hier wurde der Weg dann anspruchsvoller. An einer Drahtseilsicherung entlang, ging es über abgetretene Felsen und Platten immer weiter empor. Danach ging es dann wieder etwas bergab durch einen Felsspalt und gleich wieder eine Drahtseilgesicherte Passage hinauf. Damit war dann auch schon der schwierige Teil geschafft. Wir hatten mehr erwartet. Danach ging es nur noch in einem ewigen auf und ab über das mit Latschenkiefern bewachsene Plateau (echt nicht mehr witzig) weiter Richtung Gipfelkreuz. Dadurch, dass das Gipfelkreuz so riesengroß war, dachte man immer, man müsste es bald erreicht haben, aber weit gefehlt. Erst etwa ein einhalb Stunden nachdem wir von der Tutzinger Hütte aufgebrochen waren, hatten wir endlich das Gipfelkreuz erreicht. 

Da sich die Sonne schon bedenklich dem Horizont näherte, blieb uns leider nicht viel Zeit die schöne Aussicht zu genießen.

Es geht abwärts

Nach einer kleinen Pause machten wir uns dann wieder an den Abstieg. Diesmal wählten wir die leichtere Route. Bergauf machen uns die Drahtseilgesicherten Stellen zum kraxeln immer tierisch Spaß, aber in die andere Richtung finden wir sie dann nur noch halb so lustig.

Der neue Weg war leider wieder ein so geliebter Schotterweg, aber wir waren sicher trotzdem noch schneller, als wie wenn wir den ersten Weg wieder zurück genommen hätten. Nicht viel später hatten wir dann auch die Tutzinger Hütte wieder erreicht. 

Das bedeutete, dass auf uns nur noch der Waldweg (den hatte Natalie völlig vergessen), der Schotterweg (den hatte ich verdrängt) und dann der Forstweg (so grausam das wir ihn beide nicht vergessen konnten) vor uns lagen.

Den Waldweg schafften wir gerade noch bevor es ganz dunkel wurde, aber für den Schotterweg mussten wir dann schon die Stirnlampen aufsetzen. Das sich dort keinen von uns auf seinen Hintern gepackt hat, grenzt für mich immer noch an ein Wunder. Zurück auf dem Forstweg ging dann der schier endlose Marsch los.

 

Die Tiere der Nacht greifen an

Immer weiter und weiter stiefelten wir den Forstweg entlang. Er schien einfach kein Ende zu nehmen. Wir wurden immer müder, es wurde kälter und die Beine gefühlt mit jedem Schritt schwerer. Völlig monoton folgten wir den Lichtkegeln unserer Stirnlampen. Der Nachteil an Stirnlampen…wie jeder weiß, ziehen sie Motten, Nachtfalter und Mücken an, die einem dann, weil das Licht ja von der Stirn kommt, die ganze Zeit vor dem Gesicht rum schwirren. Für Natalie, die so Fliegegetier eh nicht recht leiden mag, ein einziger Alptraum. Als Natalie dann hinter mir wie verrückt quiekte und schrie, rechnete ich schon mit dem Schlimmsten. Der Anblick der sich mit dann bot übertraf aber alles. Natalie, wie sie wie Rumplestilzchen herum hüpfte und panisch nach Hilfe rief. Das Problem: Ihr war ein Nachtfalter in den Ausschnitt geflogen, der sich dann wohl in ihrem BH verirrt hatte. Der Bitte ihn raus zu holen, konnte ich leider nicht nachkommen, weil ich (Schadenfroh wie ich nun leider bin) damit beschäftigt war, mich vor lachen zu kringeln. Mir hat das ganze den Tag gerettet, Natalie würde davon wohl eher das Gegenteil behaupten. 

Nachdem Natalie (fragt mich nicht wie, ich war wirklich zu sehr mit lachen beschäftigt) das Nachtfalter in BH Problem gelöst hatte ging es dann schließlich wieder weiter, bis wir gegen Mitternacht endlich wieder das Auto erreicht hatten.

 

Was wir daraus gelernt haben

  • Gänse haben eine Persönliche Abneigung gegen mein Auto 

  • Würden wir weniger Pausen machen hätten wir vielleicht nicht immer so ein Zeitproblem

  • Die Bergsteigerdemenz ist bei uns wohl schon weiter fortgeschritten als erwartet

  • Natalie braucht wohl ein Ganzkörper Moskitonetz 

 

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