Drei verrückte in Garmisch-Partenkirchen

Drei verrückte in Garmisch-Partenkirchen

Wie ich euch bereits in „Die ganze Geschichte wie alles begann“ erzählt habe war unser erster Ausflug eine kleine Wanderung in Garmisch-Partenkirchen um unserem Kollegen aus einem seelischen Tief zu helfen. Da wir eine Wanderung nahe München wollten fiel die Entscheidung relativ schnell auf Garmisch Partenkirchen. Ich hatte uns eine kleine Wanderung auf der Sonnenseite des Wanken herausgesucht. Naja um ehrlich zu sein war es eher ein Spazierweg mit ein paar Höhenmetern und einer tollen Aussicht, aber es sollte alles ganz anders kommen als geplant.

Das Chaos begann schon am Vorabend unseres Ausflugs. Ich wollte mich gerade auf den Heimweg von der Arbeit machen, um noch meinen Rucksack für den nächsten Tag zu packen, als mein Auto beschloss mir einen Strich durch die Rechnung zu machen. Mir war bereits ein paar Tage vorher mein rechter Scheinwerfer ausgefallen und wir kennen das ja alle. Man hat immer etwas wichtigeres zu tun, also hatte ich es natürlich noch nicht geschafft ihn auszuwechseln. Ich startete den Motor und saß im Dunklen. Ihr könnt euch sicher vorstellen wie groß meine Freude darüber war. Mir blieb nichts anderes als den ADAC zu rufen, da es schon mitten in der Nacht war. Als schließlich 1 ½ Stunden später endlich der Mann vom ADAC da war und mir verkündete er könne mir nicht helfen da er selbstverständlich nicht die richtigen Birnen hätte und man sowieso zum wechseln die Batterie ausbauen müsste und das nur in einer Werkstatt ginge dachte ich schon das war es mit unserem Ausflug. Um das Chaos perfekt zu machen verriet mir ein Blick auf die Uhr das ich gerade die letzte Bahn zu mir nach Hause verpasst hatte.

Mein Retter in der Not. Mein großer Bruder. Ich habe ihn angerufen und gebeten mich abzuholen. Ihr dürft mir glauben, begeistert war er nicht. An dieser Stelle noch einmal ein riesiges Dankeschön. Du hast mir den Tag gerettet. Er hat mir in nicht einmal 2 Minuten erklärt wie ich die Birnen selbst wechseln kann und das ganz ohne die Batterie auszubauen und hat mich Heim gefahren. 

Am nächsten morgen hat mich dann meine große Schwester, nach einem kleinen Umweg zu ATU um Birnen zu kaufen, zu meinem Auto gefahren. Über eine Stunde später als eigentlich geplant konnte ich dann, mit selbst reparierten Scheinwerfern, endlich Natalie und Patrick (unser Kollege) abholen.

Zwei Freunde schauen in die Ferne

Endlich waren wir in Garmisch Partenkirchen

Ich sage euch wir haben ein Bild für Götter abgegeben. Natalie (damals graue Haare und mit ihren ganzen Piercings), Patrick (mit Lederboots und Lederjacke), ich (Augenringe bis zum Kinn und frustriert darüber das meine Wanderschuhe verschwunden waren) und jeder mit einem Bier in der Hand. Bei unserem Anblick hätte sicher keiner vermutet, das wir vorhaben wandern zu gehen. 

Anfangs mussten wir noch ein Stück durch den Ort spazieren bis wir dann zum Ausgangspunkt unserer Wanderung auf dem Wanken kamen. 

Wir wollten gerade los marschieren, als aus dem Grundstück direkt beim Beginn unserer Route ein älteres Ehepaar kam, dass ebenfalls wandern gehen wollte. Sie ließen sich nicht von unserem Anblick abschrecken und fragten gleich neugierig welche Route wir geplant hatten. Nachdem sie uns erzählten das die Alm die eigentlich unser Ziel war noch geschlossen hatte empfahlen sie uns eine andere Wanderung. 

Es war ebenfalls eine Wanderung auf der Sonnenseite des Wanken, aber führte über zwei andere Almen (Pfeiffer-Alm und Gschwandtnerbauer). Sie haben uns gewarnt das sie etwas länger und anspruchsvoller als die eigentlich geplante Wanderung ist, aber wir hatten ja keine Ahnung was auf uns zukommen würde. Manchmal frage ich mich ob sie wussten was uns erwarten würde und sich insgeheim ins Fäustchen lachten.

Im Schnee hingefallen

Auf neuen Wegen

Wir warfen all unsere Pläne über den Haufen und starteten die von ihnen beschriebene Wanderung. 

Nach dem ersten Steileren Hang ( es waren wahrscheinlich nur etwa 100 Meter) ließen wir uns erschöpft auf die erste Bank die wir finden konnten fallen. Wenn ich jetzt daran zurück denke schäme ich mich glatt dafür wie schlecht unsere Kondition damals noch war. Nach einer kleinen Verschnaufpause rappelten wir uns wieder auf und kämpften uns bis zur nächsten Bank vor. So ging es immer weiter. Von einer Bank zur Nächsten. Mal war es nur ein schmaler Pfad dem wir folgten, dann wieder ein etwas breiterer Forstweg aber die Aussicht wurde mit jedem Schritt schöner. Die meiste Zeit konnten wir uns gar nicht auf den Weg konzentrieren, weil wir so sehr damit beschäftigt waren die Landschaft um uns herum zu bestaunen. 

Der Weg führte über eine kleine Brücke von der aus wir einen Wasserfall entdeckten. Wir waren nicht mehr zu halten. Durch das Bachbett über einige Steine kraxelten wir dorthin. Wir machten eine längere Pause um ein paar Fotos zu machen, bis wir uns schweren Herzens wieder von dem Wasserfall trennten und zurück auf unseren eigentlichen Weg gingen. 

Einige Bänke später kamen wir dann zu einer weiteren, deutlich größeren Brücke (Hacker-Pschorr-Brücke). Unser Weg führte eigentlich daran vorbei, doch da es eine Hängebrücke war konnte keiner von uns das Kind in sich zurück halten. Natürlich mussten wir darauf rennen und herum hüpfen. Mir kann keiner erzählen er hätte nicht das selbe gemacht. 

Als wir fertig damit waren uns auszutoben ging es auch wieder weiter. Wir hatten inzwischen schon einige Höhenmeter geschafft und neben dem Weg konnte man immer mal wieder die übriggebliebenen Schneehaufen vom Winter sehen. Wir gingen immer weiter bis plötzlich der ganze Weg mit Schnee bedeckt war. Davon ließen wir uns nicht abschrecken und setzten unseren Weg weiter fort. Wir waren uns ganz sicher das es nicht mehr weit zum Gschwandtnerbauern sein konnte und der langsam wachsende Hunger trieb uns voran. 

Der Reisende sieht Dinge, die ihm unterwegs begegnen, der Tourist sieht das, was er sich vorgenommen hat zu sehen.

-Unbekannt

Balanceakt durch den Schnee

Es wurde immer und immer mehr Schnee und die Alm war weit und breit nicht zu sehen doch keiner von uns dachte auch nur an umdrehen. Schließlich hatten wir nur noch einen etwa 10cm breiten festgetretenen Streifen Schnee als Pfad auf dem wir im Gänsemarsch weiter marschierten. Langsam wurden die Füße immer kälter und nasser und alle paar Meter rutschte einer von uns von dem schmalen Pfad ab. Patrick und ich versanken immer wieder bis zum Oberschenkel im Schnee. Natalie mit ihrer Größe verschwand fast bis zum Bauchnebel, aber wir hatten den größten Spaß. Es wurde immer schwieriger auf dem schmalen Pfad zu bleiben weil wir vor lauter lachen nicht mehr gerade aus balancieren konnten. 

Nach gefühlten Stunden Kampf ging der Weg wieder bergab und wir hatten endlich den Schnee wieder hinter uns und die Alm war auch in Sicht. 

Endlich dort angekommen mussten wir leider feststellen das uns die vielen Pausen auf den Bänken und der Balanceakt durch den Schnee zu viel Zeit gekostet hatten und die Alm schon geschlossen war. Da standen wir drei nun pitschnass, kalt und mit knurrenden Mägen irgendwo in den Bergen von Garmisch-Partenkirchen. Es war bereits weit nach 18 Uhr und da es noch sehr früh im Jahr war wussten wir das wir nicht mehr lange Licht haben würden. 

So lustig unser Marsch durch den Schnee auch war, wussten wir alle drei das wir den Weg im Dämmerlicht nicht mehr zurück schaffen würden, also entschieden wir uns dann für den geteerten weg zurück nach Garmisch-Partenkirchen. Mit jedem Schritt wurde es dunkler bis die Sonne ganz untergegangen war. Es war sicherlich nicht sehr klug dort im dunklen zu wandern, aber der Blick von oben auf Garmisch-Partenkirchen mit seinen Lichtern war unbezahlbar. 

Als wir es endlich zurück nach Garmisch-Partenkirchen geschafft hatten waren wir alle unheimlich erschöpft und konnten an nichts anderes mehr denken als endlich etwas zu essen zu bekommen. Wir haben uns online ein Restaurant gesucht und sind dort hin gefahren. Es stellte sich heraus das es ein Sterne-Restaurant war und die hätten uns so nass und dreckig wie wir waren niemals herein gelassen, also mussten wir weiter suchen und sind auf ein fantastisches kleines Restaurant gestoßen. Absoluter Geheimtipp wenn ihr in Garmisch-Partenkirchen unterwegs seid. Das Restaurant „Zum Wildschütz“. Tolles Ambiente, noch besseres Essen und ein Top  Preis- Leistungsverhältnis. Nachdem wir uns ein Drei Gänge Menü gegönnt hatten ging es dann mit vollem Magen wieder zurück nach München. 

Auch wenn nicht alles lief wie geplant, oder gerade deshalb wird wohl keiner von uns dreien diesen Ausflug jemals vergessen.Was wir daraus gelernt haben:

  • auf den ADAC ist kein verlass

  • immer Ersatzbirnen im Handschubfach dabei haben

  • nur mit vernünftigen Schuhen in die Berge gehen

  • ausreichend Brotzeit mitnehmen

  • vertraue keinen älteren Pärchen, so nett sie auch erscheinen mögen 

 

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