Schrecksee

 

Schrecksee

Der Schrecksee war schon lange auf unserer To Do Liste und nun war es endlich so weit. Es ging ab ins Allgäu. Wir hatten schon einige Bilder vom Schrecksee gesehen und er sah einfach so unwirklich aus, dass wir gar nicht so recht glauben konnten, dass dieser See sich im Allgäu befinden sollte. Davon mussten wir uns mit eigenen Augen überzeugen. Das war uns sehr schnell klar. 

Da es doch eine etwas längere und anspruchsvollere Wanderung war und wir ja eh immer noch etwas mehr Zeit mit einplanen, weil wir schon wissen, dass wir uns eigentlich immer verlaufen, wollten wir wirklich fit sein, wenn wir sie angingen. Wir haben das Jahr mit leichteren Wanderungen begonnen und uns immer weiter gesteigert, bis wir uns die Wanderung endlich wirklich zutrauten. Für uns hätte es kaum etwas schlimmeres gegeben, als die Wanderung abbrechen zu müssen. Nachdem wir sie noch ein paar mal Wetterbedingt verschieben mussten war es dann endlich so weit. Schrecksee wir kommen.

 

Endlich geht es los

Wir fuhren in der Früh nach Bad Hindelang im Allgäu, um von dort die Wanderung zu starten. Das Wetter war zwar recht grau, aber immerhin trocken. Bei brütender Hitze hätte die Wanderung sicher auch keinen Spaß gemacht. Von einem kleinen Parkplatz in Hinterstein starteten wir dann. Es ging erst einmal einen Forstweg entlang, über das hüglige Vorland, bis wir auf die Straße zum Giebelhaus kamen. Ihr folgten wir dann eine Weile, bis wir das Elektrizitätswerk erreichten. Dahinter zweigte dann ein Weg ab, der hinauf zum Schrecksee führte. 

Der Weg wurde schnell schmäler und immer steiler. Der lockere Untergrund aus Kies machte den Aufstieg nur noch anstrengender. In steilen Serpentinen schlängelte sich der Weg immer weiter hinauf. Sehr schnell waren wir am schnaufen und uns lief der Schweiß nur so runter. Wir drosselten das Tempo ein wenig und versuchten gleichmäßig weiter zu gehen. Um ganz ehrlich zu sein klappte das trotzdem nicht. Wir mussten immer wieder mal kleine Verschnaufpausen einlegen. Von diesem Folterweg stand so absolut nichts in der Wegbeschreibung, aber das würde vermutlich auch jeden abschrecken. Der Weg nahm und nahm einfach kein Ende und wurde gefühlt mit jedem Meter ein Stück steiler.

Als wir dann einen kleinen Weiher erreichten, überlegten wir, ob wir den See nicht einfach vergessen und uns damit begnügen sollten, aber das kam nicht in Frage. Dafür waren wir dann doch ein wenig zu ehrgeizig. Hätten wir geahnt, wie viel Weg tatsächlich noch vor uns lag, wäre diese Entscheidung vielleicht doch anders ausgefallen.

 

Willkommen im Esszimmer

Nach einem gefühlt Tagelangen Marsch (es waren wahrscheinlich eher so 2 Stunden), erreichten wir ein riesiges Plateau, über das ein schmaler Trampelpfad führte. Wir folgten ihm bereits einige Zeit, als ich einen Knochen fand. Wir wunderten uns kurz darüber, gingen dann aber weiter. Kurz darauf entdeckten wir einen weiteren Knochen und dann immer mehr. Überall neben dem Weg lagen sie im Gras. Einige waren komplett abgenagt, an anderen hingen sogar noch Fleisch- und Fellreste. Wir rätselten, welches Tier das wohl war. Also nicht das Verspeiste, sondern das Andere. Wir überlegten, ob es in der Gegend wohl Bären gab, hatten aber noch nichts davon gehört. 

Ich machte mir einen Heidenspaß daraus, Natalie Angst einzujagen, indem ich ihr sagte, dass wohl jeden Moment ein Bär kommen und uns verspeisen würde. Zugegebenermaßen war mir das Ganze aber auch nicht geheuer. Ich hatte mir aber für den Fall der Fälle schon eine Strategie bereit gelegt. Da ich sicher nicht schneller als ein Bär sein konnte, musste ich nur schneller sein als Natalie. Also Bein stellen und Flucht ergreifen 😀 Wäre es wirklich dazu gekommen hätte ich mich wohl eher zusammen gerollt und geweint.

Natalie war von der Sache nicht so begeistert. Weder von meinen Gruselgeschichten, noch von meiner tollen Strategie (was ich so gar nicht verstehen kann). Als wir dann laut ein Tier hörten zuckten wir aber beide zusammen. Das Gelächter war groß, als uns dann klar wurde, das es nur das Echo einer muhenden Kuh war. Wir glaubten nicht wirklich an den Angriff einer mordlustigen Killerkuh. 

Als wir dann eine kleine Brücke aus Baumstämmen erreichten, entschieden wir uns für eine kleine Pause. Wir hatten schon ordentlich Hunger. Inzwischen hatten wir schon mehr als die Hälfte des Plateaus überquert, und am Ende davon war schon die etwa 300m hohe Geländestufe zu sehen, die es laut Wegbeschreibung zu überwinden galt. Wir versuchten aus der Entfernung den Weg ausfindig zu machen, was sich aber als unmöglich erwies. Als dann ein junger Mann vorbei kam und die Geländestufe ansteuerte, waren wir begeistert. Jetzt konnten wir schauen, wo er lang ging, um einzuschätzen, was uns als nächstes erwartete. Es ging im Zickzack immer weiter hinauf und es dauerte nicht lange, bis er nur noch ein kleiner bunter Punkt in der Ferne war. 

Nachdem wir fertig waren mit Essen, machten wir uns auch wieder auf den Weg.

 

Wir und unser Glück mit dem Wetter

Es ging noch das letzte Stück übers Plateau, bis wir dann in die Geländestufe starten konnten. Erst war es noch ein Schotterweg, doch je weiter wir nach ob kamen, umso felsiger wurde er. Immer wieder kreuzten Bäche den Weg, oder verschmolzen stellenweise ganz damit. Das machte die ganze Sache zu einer regelrechten Rutschpartie. Uns graute schon vor dem Abstieg. Bergauf ist es nicht toll wenn alles rutschig ist, aber bergab ist es dann noch tausendmal schlimmer. Wir fragten uns, wer von uns beiden wohl als erstes auf seinem Hintern landen würde (Spoileralarm: Es hat mich erwischt).

Das Wetter war uns mal wieder nicht gut gesonnen und mit jedem Schritt nach oben, wurde das Wetter noch ein kleines bisschen schlechter. Es begann zu nieseln und der Wind frischte auch gut auf. Innerhalb kürzester Zeit wurde es dadurch bitter kalt. Zu allem Überfluss wurden jetzt auch die wenigen Stellen des Weges, die nicht von Bächen gekreuzt wurden rutschig. Als sich dann auch noch eine riesige Wolke näherte, die uns zu verschlucken drohte, war das perfekte Travelinder Wanderwetter mal wieder erreicht.

Nur ein paar Sekunden späten, steckten wir dann mitten in der Wolke und konnten keine 10 Meter weit mehr sehen. Noch ein wenig langsamer als eh schon und auf den Weg konzentriert gingen wir dann weiter, in der Hoffnung, dass wir bald das nächste Plateau erreichten und aus dieser kalt nassen Wolke wieder heraus kommen würden. In uns machte sich die Sorge breit, das es der Wolke bei uns zu gut gefallen könnte und sie uns den restlichen Weg zum See begleiten würde. Dann würden wir in all dem Nebel den See wahrscheinlich nicht einmal sehen. Eine Horrorvorstellung. 

Die Hoffnung nicht aufgebend, gingen wir immer weiter. Wir hatten von weitem schon das nächste Plateau erahnen können und weit konnte es nicht mehr sein. Wir freuten uns schon darauf, mal ein paar Minuten nicht steil bergauf stiefeln zu müssen. 

Es war dann doch noch ein gutes Stück weiter als wir gedacht hatten (Ja das mit dem Entfernungen einschätzen liegt uns auch nicht so). Als wir es dann endlich erreicht hatten, waren wir völlig durchgefroren, aber super glücklich, weil die Wolke uns nicht, wie befürchtet verfolgt hatte. Die Sicht wurde wieder besser und wir hatten keine Angst mehr, den See nicht finden zu können. Als wir dann auf eine kleine Hütte stießen, bei der man Skiwasser kaufen konnte, war unser Glück perfekt. Jetzt konnte uns nichts mehr die Laune verhageln. 

Mit neuer Motivation folgten wir dann dem Trampelpfad (mal wieder ewig) über das hügelige Plateau. Nach einer weiteren Steigung hatten wir dann endlich unser Ziel erreicht. Den Schrecksee.

 

Ich glaub wir sind im Auenland

Da standen wir also endlich vor dem Schrecksee. Er lag in einem Kessel vor uns. Er war zwar kleiner als erwartet, dafür aber um so schöner. Wir konnten gar nicht so recht glauben, dass dieser Ort real ist. Er sah aus wie aus einer anderen Welt. Mit seiner kleinen Insel und umgeben von diesen unfassbar grünen Bergen. Ein Anblick für den sich der beschwerliche Aufstieg wirklich gelohnt hatte. Wären wir nicht so durchgefroren gewesen, hatten wir sicher auch noch ein bisschen die Füße ins Wasser baumeln lassen.

Wir schlenderten um den See, machten einige Fotos und genossen einfach nur die Ruhe und den wunderschönen Anblick. Als wir es vor Kälte kaum noch aushalten konnten, und wir zur Abwechslung mal nicht im Dunklen nach unten gehen wollten, machten wir uns auf den Rückweg. Über das Plateau kamen wir recht schnell voran, aber als es dann steiler bergab ging, wurden wir deutlich langsamer und vorsichtiger. Über die nassen Felsen war es sogar noch schlimmer als erwartet. Jeder Schritt wollte gut überlegt sein. 

Als das steilste Stück geschafft war, legten wir eine kleine Verschnaufpause ein.

 

Eine neue Bekanntschaft

Wir hatten es uns auf ein paar Felsen neben dem Weg bequem gemacht, als der junge Mann, der uns schon bei unserer letzten Pause überholt hatte, wieder an uns vorbei zog. Was der wohl von uns denken musste. Jedes Mal wenn er uns sah, saßen wir irgendwo faul herum. Er blieb nicht weit von uns stehen, um seine Jacke zu wechseln und seinen Rucksack neu zu packen. Wir wollten eigentlich warten bis er weiter ging, denn es wäre schon deprimierend gewesen, noch einmal von ihm überholt zu werden, aber dann dauerte es uns doch zu lange.

Wir machten uns wieder auf den Weg und als wir an ihm vorbei kamen hängte er sich hinter uns ran. Wir gingen einige Zeit hintereinander, bis er uns dann ansprach.

Wir kamen schnell ins Gespräch und entschieden uns dann, den Abstieg gemeinsam zu machen, da er alleine unterwegs war und Wandern zusammen doch einfach mehr Spaß macht. 

Mich würde es nicht wundern, wenn er diese Entscheidung bereut hat. Natalie und ich haben den armen Kerl regelrecht in Grund und Boden gequasselt. Die einzige Unterbrechung war wohl mein Sturz. 

Ich bin natürlich ganz gekonnt mit dem Hintern auf einem Spitzen Felsen gelandet. Wenn schon, denn schon (Von dem blauen Fleck hatte ich noch zwei Wochen was).

Danach ging es aber sehr schell wieder weiten. Sowohl die Wanderung als auch unser Gequassel. 

Als wir dann das nächste Plateau erreichten, zeigten wir ihm die Knochen (ihm waren sie gar nicht aufgefallen), aber immerhin konnte er uns dann aufklären. In dem Gebiet wurde wohl ein Wolf gesichtet. Als er es erwähnte fiel uns auch wieder ein, dass wir davon schon was im Radio gehört, es aber nicht in Verbindung gebracht hatten. 

Wir wussten nicht, ob wir die Vorstellung von einem Bär oder jetzt das Wissen von einem Wolf gruseliger fanden, aber wir legten definitiv einen Zahn zu.

Wir kamen recht schnell voran und schafften es tatsächlich bis zurück zu unserem Auto, bevor es dunkel wurde. Dort verabschiedeten wir uns dann von unserem neuen Bekannten, der sicherlich heil froh war, dass wir ihm nicht weiter das Ohr abkauten.

 

Was wir daraus gelernt haben

  • Wegbeschreibungen werden definitiv immer verharmlost 

  • Wir sollten uns über die Gebiete in denen wir unterwegs sind besser informieren, um zu wissen auf was für wilde Tiere wir vielleicht treffen könnten

  • Man kann wirklich überall neue Leute kennenlernen (vorausgesetzt man verlässt das Haus)

  • Ich sollte mir für die nächste Wanderung ein Kissen an den Hintern kleben, um blaue Flecken zu vermeiden

  • Wir können wirklich quasseln wie die Weltmeister  

 

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