Ein Ausflug ohne Hose und eine Wanderung, die da endet wo sie beginnt

 

Endlich mal wieder Kurzurlaub

Nach gefühlt viel zu langer Zeit, hatte ich endlich mal wieder zwei Tage am Stück frei und das bedeutete natürlich, dass es für uns mal wieder zum Zelten ging. Dieses Mal war unser Ziel das Stubaital am Stubaier Gletscher. 

Planungstechnisch hatten wir aber mal wieder vollkommen versagt. Wir wussten, dass wir auf den Gletscher wollten, hatten mal zwei Wegbeschreibungen für Wanderrungen in der Gegend heraus gesucht und am Abend vorher einen Campingplatz gefunden, der wohl nur 5 Minuten von der Gondel entfernt sein sollte. Alles Andere ließen wir mal wieder einfach so auf uns zu kommen. 

Das sorgte auf dem Weg dorthin schon für das erste kleine Problem. Ich hatte davor nur mal geschaut, wie lange man in etwa dorthin brauchen würde, hatte dabei aber vergessen, dass wir keine Vignette hatten und auch nicht unbedingt vor gehabt hatten, eine zu kaufen. Da die Strecke dann aber plötzlich fast doppelt so lange dauern sollte, war klar, dass eine Vignette her musste. Ganz ehrlich, unserer Meinung nach ist Zeit einfach mehr Wert als alles Geld der Welt und wir waren uns auch sicher, dass uns die 8,50€ nicht gleich das Genick brechen würden. 

Nachdem wir das Vignetten Problem dann also gelöst hatten, ging es voller Vorfreude weiter. Das Wetter war zur Abwechslung mal einfach nur herrlich, was die Laune nur noch weiter steigerte. Mit jeder Minute fahrt, rückten die Berge näher und näher. 

Als wir dann beim zweiten Versuch (das erste mal sind wir voll dran vorbei gefahren) den Campingplatz fanden, waren wir, wie eigentlich immer, wieder zu spät und die Rezeption war nicht besetzt. 

Leicht frustriert, weil uns das mal wieder unnötig Zeit kostete, die wir eigentlich nicht hatten, hockten wir uns davor hin, um zu „planen“ (was wir da immer tun, kann ich einfach nicht ernsthaft planen nennen) wie wir trotzdem noch alles, was wir vor hatten, schaffen konnten. Als wir langsam einer Lösung näher kamen, kam dann überraschend  der Besitzer und wir konnten doch schon früher als gedacht auf den Platz.

Wir bauten schnell das Zelt auf, aßen noch eine Kleinigkeit, und machten uns auf den Weg.

 

Wo ist denn jetzt der Gletscher?

Wir folgten den Schildern Richtung Gondel und standen dann, etwas leicht verwirrt, vor einem Berg. Für uns sah er so ganz und gar nicht nach Gletscher aus, aber vielleicht täuschten wir uns auch. Den Gipfel konnten wir nicht sehen, und vielleicht war er auch viel höher als es von dort unten aussah. 

Etwas skeptisch gingen wir weiter auf die Gondelstation zu. Uns kam das alles etwas spanisch vor. 

Natalie wollte eigentlich schon fragen, welches Ticket wir brauchten, um bis ganz nach oben zu fahren, aber wir beschlossen, uns doch lieber erst die Karte anzusehen. Natalie ging auf die eine Seite und ich auf die andere. Es dauerte nicht lange, bis mir klar wurde, dass wir vor dem völlig falschen Berg standen. Als ich Natalie laut lachen hörte, wusste ich, dass sie es auch bemerkt hatte. Leicht beschämt ( okay es war uns verdammt peinlich) gingen wir zurück zum Campingplatz, da die Befragung von Google ergeben hatte, dass es wohl noch ein paar Kilometer mit dem Auto bis zum richtigen Berg waren.

Zurück am Campingplatz, stiegen wir ins Auto und fuhren ( mit Navi um weitere Zwischenfälle zu vermeiden) los. Etwa 20 Minuten später standen wir dann tatsächlich vor  der richtigen Gondel. Wir konnten es selbst kaum glauben. 

Wir mussten nur noch die Tickets kaufen und dann konnte es auch schon los gehen. Je weiter die Gondel nach oben fuhr, desto mehr sah alles aus wie aus einer fremden Welt. So ein Gletscher ist schon noch einmal etwas ganz anderes. 

 

Ohne Hose in der Eisgrotte

Oben auf dem Gletscher angekommen, war es schon deutlich kälter als im Tal. Wir hatten nur kurze Hosen an, hatten aber auch noch lange mit dabei (ganz dumm sind wir ja nicht, auch wenn man das manchmal glauben könnte), aber mit der Sonne war es gerade noch warm genug und ich hoffte insgeheim, dass meine Beine vielleicht doch noch etwas Farbe bekamen (Natalie hält das für unmöglich).

Was wir uns natürlich auf keinen Fall entgehen lassen durften, wenn wir schon mal auf einem Stubaier Gletscher waren, war der Gang durch die Eisgrotte. Das hatte zwar nochmal etwas gekostet, war es unserer Meinung nach aber vollkommen Wert. 

Um nicht zu erfrieren, zogen wir vorher noch unsere Jacken über, was allerdings zur Folge hatte, dass man unsere Hosen nicht mehr sah, und wir aussahen wie Exhibitionisten.

Wir gingen also in unseren bunten Jacken und scheinbar ohne Hosen durch die Eisgrotten. So etwas sollte sich jeder einmal anschauen. Also ich meine Eisgrotten und nicht uns ohne Hosen. 

(Pause um zu lachen)

Für die von euch, die keine Ahnung haben, was man sich unter einer Eisgrotte vorstellen kann, das ist quasi eine Höhle aus Eis, durch deren Tunnel wir gehen konnten. Verdammt kalt, aber auch richtig beeindrucken. Man kann dort nicht nur sehr viel über Gletscher und ihre Eigenschaften erfahren, sondern sie sind auch optisch ein absolutes Highlight, mit ihren Blasen und verschiedenen Schichtungen. Egal wo man in das Eis schaut, sieht es nirgendwo gleich aus. 

 

Top of Tirol

Nachdem wir zwei runden durch die Tunnel gedreht hatten, um ja nichts zu übersehen, ging es dann wieder weiter. Wir wollten ja natürlich auch noch rauf zum Top of Tirol.

Da wir leider nicht genug Zeit hatten, bevor die letzte Gondel ins Tal ging, das letzte Stück noch zu laufen, ging es mit der Gondel weiter hinauf. Normalerweise laufen wir einen Berg lieber rauf. Runter wünsche, zumindest ich, mir hin und wieder eine Gondel.

Oben angekommen, galt es für uns nur noch, die Treppen bis zur Aussichtsplattform zu überwinden. Wir sind zugegebenermaßen nicht die größten Fans von Treppen. Als wir die gefühlt 1.000 Stufen überwunden hatten, waren wir endlich auf der großen Plattform und die macht ihrem Namen wirklich alle Ehre. Egal in welche Richtung man auch blickte, überall waren wir umgeben von unzähligen Bergen und ein Ende war nicht in Sicht. Wer dort oben bei schlechter Sicht ist, hat wirklich die A****karte gezogen. Anders kann man es einfach nicht sagen. Das Panorama, das sich einem dort bietet, ist kaum zu topen. Dort wird einem schnell bewusst, wie klein wir doch sind und von was für unglaublichen Wundern wir umgeben sind. Wir verbrachten einige Zeit dort oben, weil sich keiner von uns so recht diesem Ausblick abwenden wollte. Als es dann aber immer frischer wurde, rissen wir uns dann doch schweren Herzens los und machten uns mit der Gondel wieder auf den Weg zurück ins Tal. 

Auf dem Rückweg nach Neustift entdeckten wir noch ein paar super schöne Ecken und nutzten noch ausgiebig aus, dass wir ausnahmsweise mal nicht im Dunklen zurück fuhren. Danach ging es zurück zur Gondel (ja die vor der wir anfangs fälschlicherweise standen), weil wir dort auf einem Hang ein paar nette Hütten gesehen hatten, die wir uns einfach nicht entgehen lassen wollten. Sie standen dort, umgeben von Wildblumen und wir hätten beide einfach ewig dort bleiben können. Kurz bevor es dunkel wurde, ging es aber dann doch wieder zurück zum Campingplatz.

 

Unsere völlig misslungene Wanderung

Kennt ihr auch diese Tage, an denen einfach alles schief geht, was nur schief gehen kann? Das war genau einer dieser Tage. 

Es ging schon am Morgen los, als Natalie feststellen musste, dass ihr Internet nicht mehr ging (es ist mir fast ein bisschen peinlich, dass zu sagen, aber das kommt für uns einer Katastrophe nahe). Es ging also erstmal zum Supermarkt, um eine neue SIM-Karte zu kaufen. 

Nach anfänglichen Schwierigkeiten bei der Aktivierung, war dieses Problem endlich gelöst und wir konnten uns auf den Weg machen. 

Unser Ziel war die Rinnenspitze auf 3.000m. Laut Beschreibung wohl eine wunderschöne Wanderung, mit einem kleinen Klettersteig am Ende. Wir freuten uns schon tierisch darauf. 

Laut der Wegbeschreibung auf Google, sollte es zur Oberissalm (dem Ausgangspunkt der Wanderung) nicht sehr weit sein, also machten wir uns zu Fuß auf den Weg. 

Nach etwa einer halben Stunde hatten wir dann den Punkt erreicht, an dem laut der Karte von Google die Oberissalm sein sollte, doch von einer Alm war weit und breit nichts zu sehen. Statt dessen hatten wir den kleinen Ort Milders erreicht. 

Nach dem wir etwas ratlos nach einer Alm gesucht hatten, fanden wir dann einen Wanderwegweiser zur Tatschlichen Oberissalm. Es hieß, dass es noch 2 Stunden bis zur Alm wären. 

Da wir keine Lust hatten, Umzudrehen und dann mit dem Auto bis zur Alm zu fahren, verlängerten wir unsere Wanderung einfach um 2 Stunden (im Nachhinein nicht unsere klügste Entscheidung). 

9 Kilometer klang für uns nicht so schlimm, also folgten wir der Straße, die zur Alm führen sollte. Was wir allerdings unterschätzt hatten war, dass es den ganzen Weg über bergauf ging. Zwar nicht steil, aber immer ein bisschen. Manche Stellen waren etwas steiler, andere hingegen kamen einem recht flach vor, aber es zerrte doch mehr an den Kräften als wir erwartet hätten. 

Die Straße führte in einem Tal, zwischen einfach wunderschönen Bergen, immer weiter hinauf, vorbei an den kleinen Dörfern Bärenbad und Seduck. Nach etwa zwei Stunden waren wir uns bei jedem Gebäude, das wir in der Ferne entdeckten sicher, es wäre endlich die Oberissalm, doch wir wurden ein ums andere Mal enttäuscht. Immer weiter folgten wir der, scheinbar nicht enden wollenden Straße. Wir müssen zugeben, das die Strecke landschaftlich wunderschön war, aber wir waren dennoch enttäuscht, noch nicht unseren eigentlichen Weg erreicht zu haben.

Wir folgten der Straße, neben dem rauschenden Bach, vorbei an Weiden, Wildblumen und unzähligen Kühen, doch unsere Alm lies immer länger auf sich warten. Unser Hunger wurde immer größer und wir begannen langsam daran zu Zweifel, dass wir die Alm überhaupt noch erreichten, als endlich die ersten Schilder auftauchten, die auf die Oberissalm verwiesen. 

Da ist sie ja endlich

Wir konnten es kaum fassen, dass wir das Ziel (also eigentlich den Anfang) unserer Wanderung bald erreicht hatten. 

Wieder etwas motivierter und vom Hunger getrieben, marschierten wir weiten. Kurz darauf konnten wir dann in der Ferne die Alm sehen und bei uns machte sich Erleichterung breit. 

Seit wir den Campingplatz verlassen hatten, waren bereits etwa 4 Stunden vergangen (wir haben natürlich auch ein paar Foto Pausen eingelegt, bezweifeln aber trotzdem, dass der Weg in den beschriebenen 2 Stunden zu schaffen ist).

Als wir die Alm dann endlich erreicht hatten, konnten wir an nichts anderes denken, als an Essen. Das hatten wir uns nach diesem Marsch auch verdient. 

Vor uns lagen eigentlich noch etwa 6 Stunden Wanderung (zumindest wenn man dieser Zeitangabe trauen konnte), doch uns beiden war klar, dass wir das nie und nimmer vor Sonnenuntergang schaffen würden, waren aber noch nicht bereit uns das selbst einzugestehen. 

Wenn wir auf einen Berg gehen, haben wir ein Ziel. Den Gipfel. Da können wir beide ziemlich stur sein, aber uns war klar, dass die Wanderung im dunklen einfach zu riskant war. 

Beim Essen gestanden wir uns das schließlich ein. Wir können nicht leugnen, dass wir wirklich enttäuscht waren. Wir hatten uns unglaublich auf diese Wanderung gefreut, doch es war einfach alles anders gekommen, als wir es geplant hatten. 

So ist das nun mal einfach im Leben. Man kann so viele Pläne machen wie man möchte (okay unsere Pläne sind zugegebenermaßen nie sonderlich ausgereift), es kann immer etwas schief gehen. Man muss einfach lernen, damit umzugehen und das Beste daraus machen.

Wir machten uns also keinen Stress mehr und gönnten uns zum Dessert sogar noch einen Kaiserschmarren.

Dann versuchen wir mal das Beste daraus zu machen

Da wir noch nicht gleich wieder umkehren wollten, machten wir noch einen kleinen Abstecher zu einer Kapelle und folgten dann noch ein Stück dem Wanderweg, für den wir eigentlich gekommen waren. 

Nach einiger Zeit gabelte sich der Weg und wir entschieden uns, einem Alpinen Weg (nicht die Orginalwanderung) noch ein Stück zu folgen. Viel Zeit blieb uns nicht mehr, bevor die Dämmerung einsetzen würde, also wollten wir in kurzer Zeit noch so viel Spaß wie möglich haben. Es ging über Felsen, Baumstämme und durch Bäche. Ein Weg ganz nach unserem Geschmack. 

Weit kamen wir nicht, bevor wir den Entschluss, die Wanderung abzubrechen treffen mussten, doch der kleine Abstecher hatte sich für uns, trotz allem doch gelohnt.

Wir kehrten also wieder um und entdeckten dann, kurz unterhalb der Oberissalm, einen anderen Weg zurück ins Tal. Er glich eher einem Trampelpfad, weshalb wir nicht lange überlegen mussten. 

Wenn wir die Wahl zwischen Straße und Trampelpfad haben, gewinnt bei uns immer der Trampelpfad. Wir hofften natürlich auch, dass wir vielleicht noch ein paar schöne Ecken, die uns auf dem Weg zur Alm entgangen waren entdeckten.

Der Pfad führte auf der anderen Seite des Baches entlang und war wesentlich abwechslungsreicher als die Straße (insgeheim hofften wir auch darauf, dass er vielleicht ein Stückchen kürzer sein würde).

Wir folgten ihm, so lange das Licht ausreichte und wechselten, als es dunkel wurde, wieder zurück auf die Straße. 

An einem der Höfe, an denen wir vorbei kamen, trafen wir auf einen Bauern, der nur verwundert fragte was wir da machten. Man kann ihm die Frage nicht wirklich übel nehmen, immerhin liefen wir irgendwo, im dunklen mit Stirnlampen durch die Pampa. Wandern, was sonst. War unsere knappe Antwort, bevor wir weiter gingen. Wir wussten nicht, dass es nicht das letzte Mal sein sollte, dass wir ihn an diesem Abend trafen. 

Wir gingen und gingen immer weiter und uns wurde schnell bewusst, dass der Weg mal wieder deutlich länger war, als wir es im Gedächtnis hatten. 

Langsam wurde uns bewusst, dass es noch ein ganzes Stück zurück zum Campingplatz war und uns tat jetzt schon alles weh. Der Weg hatte sich einfach so gezogen. Sowohl auf dem hin, als auch auf dem Rückweg. Wie wenn man eine gerade Straße entlang geht, deren Ende man einfach nicht sehen kann. Einfach zu eintönig, um irgendwie von der Anstrengung abgelenkt zu werden. 

 

 

Ein alter Bekannter

Als hinter uns Scheinwerfer auftauchten, gingen wir einmal wieder von der Straße, um das Auto vorbei fahren zu lassen. Das Auto jedoch wurde langsamen und hielt schließlich an. 

Der Mann darin fragte, wo wir hin müssten und bot uns an, uns mit zunehmen. Unsere Eltern hatten uns immer gesagt, dass wir nicht zu Fremden ins Auto steigen sollten. Nach kurzer Überlegung entschieden wir uns aber doch dafür. An dieser Stelle…Liebe Eltern es tut uns Leid. 

Als wir die Straße dann weiter fuhren, waren wir heil froh über diesen Entschluss, denn der Weg war noch deutlich länger, als wir gedacht hatten. Wir kamen mit dem Mann ins Gespräch und kurz darauf stellte sich heraus, dass es der Bauer war, der uns früher am Abend schon angesprochen hatte. Jetzt schämten wir uns ein bisschen für unsere doch etwas patzige Antwort, aber er nahm uns das nicht übel.

Als wir endlich den Campingplatz erreicht hatten, aussteigen wollten und die Türen sich nicht öffnen ließen, dachten wir schon für einen kleinen Moment, dass unsere Eltern wohl doch recht gehabt hatten, doch es war glücklicherweise nur die Kindersicherung.

Zurück am Zelt waren wir dann völlig geschafft und vielen nur noch ins Bett, oder besser gesagt in Schlafsack und Isomatte und träumten von der Rinnenspitze, die bei unserem nächsten Besuch unbedingt nachgeholt werden musste.

Was wir daraus gelernt haben

  • Man sollte sich immer vergewissern, dass man zur richtigen Gondel geht

  • Ohne Hose in einer Eisgrotte ist verdammt kalt, aber mindestens genau so lustig

  • Weil wir es uns so oft vorgenommen haben, aber es immer noch nicht gelernt haben VERTRAUE AUF GAR KEINEN FALL GOOGLE

  • Die Person die die Zeitangaben auf Wanderwegweisern mach muss ein Marathonläufer sein (anders können wir uns das einfach nicht erklären)

  • Auch wenn eigentlich nichts so läuft wie man geplant hat, kann man trotzdem einen ziemlich tollen Tag haben

 

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