Urlaub in Lofer Teil 2

 

Urlaub in Lofer Teil 2

Nach und nach trudelten die meisten der Teilnehmer der Wasserrettung am Campingplatz ein und aus unserer, zu Anfangs kleinen Gruppe, wurde eine regelrechte Meute. Alle Altersstufen waren mit vertreten. Von den ganz Kleinen bis hin zu den doch etwas älteren Semestern. Nachdem wir den Vormittag ganz entspannt am Campingplatz verbracht hatten und ich Patrick und Natalie den anderen (zu mindestens denen die ich selbst kannte) vorgestellt hatte wussten wir nicht mehr recht viel mit uns anzufangen. Die ganzen Neuankömmlinge waren noch damit beschäftigt ihre Lager aufzubauen und Patrick, der noch völlig erschöpft war von den vergangenen Tagen, legte sich noch einmal ins Zelt. Da wir am Vorabend, ganz typisch für uns, vergessen hatten noch Einkaufen zu gehen und sich unsere Vorräte dem Ende neigten, beschlossen Natalie und ich einen Spaziergang zur nächsten Tankstelle (es war leider ein Feiertag) zu machen. Wir gingen runter zum Fluss und wanderten flussabwärts am Ufer entlang.

Es dauerte nicht lange und wir hatten die Tankstelle erreicht. So eine Tankstelle  wie diese gibt es nur in Österreich. Alles voller Speck und Wurst. Ganz nach unserem Geschmack. Wir erledigten schnell unsere Einkäufe und entschieden uns dann dafür, noch etwas weiter den Fluss entlang zu gehen um uns die Strecke, wo das Rennen in den nächsten Tagen stattfinden sollte, anzusehen. Ich erklärte Natalie wie so ein Rennen abläuft und die Regeln vom Slalom. Das Ziel war kurz vor der Teufelsschlucht und uns packte die Neugier.

Travel isn’t always pretty. It isn’t always comfortable. Sometimes it hurts, it even breaks your heart. But that’s okay. The journey changes you; it should change you. It leaves marks on your memory, on your consciousness, on your heart, and on your body. You take something with you. Hopefully, you leave something good behind.” – Unknown

Die Teufelsschlucht

Wir gingen über den Teufelssteg (die Brücke zu beginn der Schlucht) und entschieden uns kurzerhand die Schlucht auch noch entlang zu wandern. Oft hatten mir Kajakkollegen von der Teufelsschlucht erzählt. Eine sehr anspruchsvolle und auch gefährliche Strecke, die ich niemals und ich meine wirklich absolut niemals, selbst fahren würde, aber ich wollte sie mir trotzdem einmal ansehen. Wir folgten dem Weg rechts der Schlucht und staunten nicht schlecht über die Stromschnellen die wir zu sehen bekamen. Kurze Zeit später kamen wir zu einem Wegweiser, doch dort wo es an der Teufelsschlucht entlang gehen sollte endete der Weg plötzlich. Wir entschieden uns dafür uns einfach selbst einen „Weg“ zu bahnen doch schon bald darauf war kein weiterkommen, da keiner von uns das Risiko eingehen wollte abzustürzen und von den Fluten mitgerissen zu werden. Wir drehten also wieder um und beschlossen oberhalb der Schlucht durch die hohen Wiesen weiter zu gehen, in der Hoffnung ein wenig später vielleicht doch wieder näher an den Fluss zu kommen. Also stiefelten wir voller Enthusiasmus durch das kniehohe, nasse Gras immer weiter. Hin und wieder konnten wir durch das dichte Gestrüpp neben uns einen Blick auf den Fluss erhaschen und die Neugier in uns wuchs und wuchs. Irgendwann ging das Gestrüpp zur Seite weg vom Fluss und uns blieb, um in Ufernähe zu bleiben, nur unter einem Stacheldrahtzaun hindurch zu steigen, um dann einen steilen, mit nassem Laub bedeckten Hang hinunter zu klettern. Kurz darauf waren wir wieder direkt am Fluss und wanderten kreuz und quer, zwischen Ästen und Steinen, die Teufelsschlucht entlang. Die tosenden Wassermassen waren beeindruckend und bestätigten mich in meinem Entschluss diese Strecke niemals selbst im Kajak zu fahren. Etwas später konnten wir unserem „Weg“ am Fluss nicht weiter folgen, da er mit riesigen Felsen und Treibholz blockiert war und uns blieb nur, uns den mittlerweile noch steileren Hang hinauf zu kämpfen wenn wir nicht den ganzen „Weg“ zurück laufen wollten. Im Zickzack von Baum zu Baum, um nicht abzustürzen, kletterten wir Meter für Meter wieder aus der Schlucht. Das viele nasse Laub erschwerte unseren Aufstieg ungemein und wir mussten einige male auf allen Vieren weiter laufen um wieder nach oben zu kommen. Endlich wieder flachen Boden unter den Füßen wanderten wir, erleichtert darüber aus der Schlucht herausgekommen zu sein, weiter querfeldein. Hinter einem weiteren Stacheldrahtzaun entdeckten wir dann einen Pfad. Wir stiegen wieder hindurch, wobei der Zaun wohl Trennungsängste im Bezug auf Natalie entwickelte und sie nicht mehr gehen lassen wollte. Als ich sie und ihren Pullover aus dem Stacheldrahtzaun befreit hatte entschieden wir uns dafür, dem neu entdeckten Pfad zu folgen. Wir hatten keine Ahnung wo er uns hin führen würde, doch das war uns egal. Der Weg ging, sich windend, immer weiter durch den Wald. Über kleine Hügel, an sonnen bestrahlten Lichtungen vorbei und durch an Märchen erinnernde Waldstücke folgten wir ihm immer weiter bis wir wieder zu einer großen mit Wildblumen bewachsenen Wiese kamen. Wir legten eine kleine Verschnaufpause ein, bevor wir dem Weg weiter über die Wiesen und schließlich wieder hinein in den Wald folgten. Bald wurde das Rauschen des Flusses neben uns wieder lauter und hin und wieder konnten wir ihn durch die Bäume hindurch auch wieder sehen. Nicht sehr viel später führte uns unser Weg dann zur Brücke hinter der Teufelsschlucht und wir überquerten sie. Auf der anderen Seite trafen wir dann überraschend auf Freunde von mir, die gerade durch die Schlucht gepaddelt waren (jetzt wo ich etwas besser weiß wie es darin aussieht frage ich mich wirklich ob sie vielleicht verrückt sind). Wir erzählten ihnen von unserem eigentlichen Plan einkaufen zu gehen und wie das versehentlich zu einer Wanderung ausgeartet war und sie boten uns an uns mit dem Auto mit zurück zum Campingplatz zu nehmen. Da uns unser „Spaziergang“ aber so viel Spaß gemacht hatte, entschieden wir uns dafür auch wieder zu Fuß zurück zu gehen. Die Jungs erklärten uns, dass auf dieser Seite des Flusses der Weg wohl auch nicht sehr weit gehen würde, da er  von einem Hochwasser mitgerissen wurde. Wir beschlossen deshalb, von Anfang an den oberen Weg zu nehmen und machten uns wieder auf. Wir liefen den Fluss wieder aufwärts entlang und entschieden uns an der Tankstelle, die von uns bei unserer Pause vernichteten Vorräte wieder aufzustocken und folgten dann dem Weg wieder weiter bis wir schließlich am späten Abend endlich wieder zurück am Campingplatz waren.

Nach einem reichlich späten Abendessen ging es dann noch kurz ans Lagerfeuer, bevor wir dann völlig erschöpft in unsere Betten fielen.

Life is either a daring adventure or nothing at all.

-Helen Keller

 

Wasserrettung

Am folgenden Tag sollte ich in der Nachmittagsschicht bei der Wasserrettung mithelfen, deshalb entschieden wir uns dafür, in der Früh noch wenigstens ein paar Stunden wieder in den Klettergarten am Weißbach zu fahren. Da es Natalies Hand wieder besser ging, wollten wir die Gelegenheit nutzen, dass Natalie noch das Sichern beim Klettern richtig lernt. Da Patrick noch tief und fest schlief und sich nicht einmal von unseren vielen Weckern hatte aufwecken lassen, entschieden wir, ihn noch schlafen zu lassen und ohne ihn zu gehen. Mein Freund von der Wasserwacht begleitete uns natürlich wieder. Da wir später als geplant los kamen (das Verlangen nach Kaffee hatte einfach überwogen) blieb uns am Fels leider nicht ganz so viel Zeit. Natalie sicherte ein paar mal unter Anleitung und wir bekamen noch ein wenig Knotenkunde und übten im Fels selbst einen Stand zu bauen.

Als wir zurück kamen hatte ich gerade noch genug Zeit eine Kleinigkeit zu essen und mich umzuziehen und dann musste ich auch schon los an die Strecke.

Da wir die zweite Gruppe an der Strecke waren mussten wir nicht mehr viel aufbauen und konnten in einer kurzen Pause direkt übernehmen. An der Strecke waren mehrere Stationen mit Springersicherung (Jemand der mit Seil gesichert ist und ins Wasser springt um Personen und Material herauszuziehen) und Safetyboatern (gute Bootfahrer die bei der Rettung von Schwimmern und Material helfen) aufgebaut. Das Rennen verlief ohne viele Zwischenfälle. Ein paar Teilnehmer mussten aus dem Wasser gezogen werden, aber die Rettungen klappten alle sehr gut und keiner wurde verletzt. Ziel erfüllt.

Während ich bei der Rettung beschäftigt war, kümmerten sich Patrick und Natalie um die Einkäufen und im Anschluss konnte Natalie Patrick auch überreden einen kleinen Spaziergang zu machen und mich an der Strecke besuchen zu kommen. Auf dem Weg zu mir besorgten sie sogar noch Erdbeeren um sie uns als kleine Stärkung mit zu bringen. Für mich und die anderen an meiner Station (alle gelangweilt weil die Rennen so ruhig verliefen und ausgelaugt von der brütenden Hitze) waren sie mit den Erdbeeren und ein wenig Unterhaltung, die Helden des Tages. Als das Wetter dann zum Abend hin schlechter wurde und ein Gewitter immer näher rückte waren dann auch die Rennen vorbei und es ging für uns alle wieder zurück auf den Campingplatz. In der Zwischenzeit waren auch noch die letzten noch fehlenden Leute eingetroffen. Da wir dadurch mehr als genug Personen für die Absicherung der Strecke waren, konnte ich mir für den nächsten Tag frei nehmen um mit Natalie und Patrick noch eine Wanderung die ich bereits herausgesucht hatte zu machen. Wieder einmal endete unser Tag ganz entspannt am Lagerfeuer.

Fortsetzung folgt

 

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