Unser Urlaub in Lofer

Unser Urlaub in Lofer

Über meinen Kajak Verein fahre ich öfter nach Lofer (Österreich) und einer meiner liebsten Termine dort ist die Wasserrettung. In Lofer finden jedes Jahr Kanu Wettkämpfe statt und mein Verein (der MTV München) übernimmt dort seit Jahren in Zusammenarbeit mit der Wasserwacht Erlangen die Absicherung des Rennens. Da die Rennen nur am Wochenende stattfanden und ich die ganze Woche Urlaub bekommen hatte, habe ich beschlossen, mich dort schon früher mit einem guten Freund von der Wasserwacht zu treffen, um ein bisschen Klettern zu gehen. Als Patrick von meinem Urlaub erfuhr, war er sofort dabei und da Natalie bisher nur bouldern war und klettern lernen wollte, beschloss ich sie auch noch einzupacken. Mein Freund von der Wasserwacht ist ebenfalls bei der Bergwacht und da ich das meiste, was ich über das Klettern weiß von ihm kann, dachte ich mir, er wäre der beste Lehrer für Natalie, also war es eine beschlossene Sache.

Leider konnte ich mir nicht, wie erhofft, den VW Bus meines Bruders leihen, also hieß es Patrick, Natalie, Campingausrüstung, Kajakausrüstung, Kletterausrüstung und das Gepäck von drei Personen in meinem kleinen Suzuki Swift unterzubringen. Zum Glück konnte ich mir wenigstens seine Dachbox ausleihen. Ich will mir gar nicht vorstellen wie eng es sonst im Auto geworden wäre, aber ich glaube nicht, dass mein armes Auto vorher schon einmal so voll beladen war. Alles und jeden eingepackt, ging die Fahrt dann los nach Lofer. Auf den Campingplatz Grubhof in St. Martin bei Lofer. Mit einer der schönsten Campingplätze auf denen ich je war.

Do not take life too seriously. You will never get out of it alive.

-Elbert Hubbard

 

 

Klettern in Weißbach

Nachdem wir uns am ersten Tag erst einmal auf dem Campingplatz aufgebaut hatten und ich Natalie und Patrick den Platz gezeigt hatte, planten wir unseren Kletterausflug für den nächsten Tag. Es sollte zum nicht weit entfernten Klettergarten in Weißbach gehen. Das war auch mit eine der ersten Wände an denen ich selbst, am richtigen Felsen, geklettert bin. Da Natalie leider eine Verletzung an der Hand hatte, konnte sie selbst zwar nicht klettern, kam aber trotzdem mit um sich einige Sicherungsmethoden und Klettertechniken anzusehen. Patrick war absolut Feuer und Flamme und der erste der an der Wand hing. Nachdem er erst eine Einweisung bekommen hatte, machte er sich auch schon kurze Zeit später an seine erste Route und das Erfolgserlebnis tat ihm sichtlich gut. Als ich mich nach ihm an meine erste Route machte, konnte er sich gar nicht mehr bremsen und machte mit weiteren Bekannten der Wasserwacht auch gleich seine nächste Tour. Ich, etwas aus der Übung und zugegebenermaßen auch ein ziemlicher Angsthase, quälte mich, ganz typisch für mich, unter ständigem schimpfen die Wand hoch. Oft frage ich mich selbst warum ich eigentlich klettere. Ich bin immer am Fluchen und wenn ich an einer Stelle mal nicht weiterkomme, der Verzweiflung oft sehr nahe, aber dann, wenn ich oben angekommen bin, übertrifft dieses Glücksgefühl und das Wissen, dass ich mehr schaffen kann als ich mir selbst je zugetraut hätte einfach alles. Das ist es, was für mich das Klettern ausmacht. Dieser Kampf mit sich selbst, wenn einem der Kopf oder der Körper sagt, dass es nicht geht und man dann einfach weiter macht und sich selbst besiegt. Dieses Hochgefühl ist kaum zu beschreiben. Wir verbrachten fast den ganzen Tag am Fels und kletterten verschiedene Routen und übten Sicherungstechniken. Als uns dann langsam die Kraft ausging machten wir uns wieder auf den Weg zurück nach Lofer, wo wir den Abend ganz entspannt am Lagerfeuer ausklingen ließen.

We live in a wonderful world that is full of beauty, charm, and adventure. There is no end to the adventures we can have if only we seek them with our eyes open.

– Jawaharial Nehru

 

 

Die Inersbachklamm

Da mein Bergwachtfreund eine etwas anspruchsvollere Klettertour für den nächsten Tag geplant hatte, die für uns leider noch zu schwierig war, taten wir uns mit einer kleinen Gruppe der Wasserwacht zusammen, um an die Inersbachklamm zu fahren. Das ist eine kleine Klamm, nahe Lofer, in Reith bei Unken. Viele kennen die Klamm von den Raftingtouren auf der Saalach. Bei einer Tour von Au nach Unken machen die meisten Guides einen kleinen Abstecher zur Klamm, an deren Ende eine große Gumpe (tiefes Wasserloch) ist, in die man vom Steg aus, der durch die Klamm führt, hineinspringen kann. Das sollte man natürlich nicht ohne einen Guide oder jemanden mit Erfahrung tun, geschweige denn ohne richtige Ausrüstung. Und genau das hatten wir vor. Als wir uns alle in die Neoprenanzüge und die Sicherheitsausrüstung gezwängt hatten, schnappten wir uns den Hanomag (ein altes Bundeswehrfahrzeug und so ziemlich das coolste Gefährt in dem ich je saß) und fuhren los zur Klamm. Dort angekommen, ging es mir gar nicht mehr gut. Ich hatte Kopfschmerzen, Schwindel und mir war unheimlich übel. Wir vermuteten einen Sonnenstich, also entschied ich, sicherheitshalber lieber nur Fotos und Videos von den anderen zu machen. Erst sprangen alle ein paar Mal vom Steg in die Gumpe, aber das war nicht alles was wir für dort geplant hatten. Der Plan war durch die ganze Klamm zu schwimmen. Es ist kein langes Stück, aber es sind ein paar Rutschen und Stellen an denen man springen muss mit dabei. Zu Fuß über den Steg geht es etwa 10 Minuten durch die Klamm. Auf dem Weg nach oben sahen wir uns alle Stellen erst einmal von oben an, um sicher zu gehen, dass der Wasserstand ausreichte und die Klamm frei war und nicht von Ästen oder Baumstämmen blockiert wurde. Da die Wasserwachtler ihr OK gaben, starteten alle in die Klamm, bis auf mich natürlich. Ich ging zurück auf den Steg um alles für die Nachwelt zu dokumentieren.

Am Einstieg in die Klamm kam erst einmal eine große Stufe voller Treibholz über die sie runter klettern mussten. Oben und unten standen jeweils Leute von der Wasserwacht um die Stelle abzusichern. Als Natalie runter klettern wollte, verhedderte sie sich mit der Schwimmweste in den Ästen und hing auf halber Höhe, wie eine Jacke an der Garderobe. Tut mir echt leid Natalie, aber das sah wirklich unheimlich witzig aus.

Als die Jungs von der Wasserwacht sie abgehängt hatten, ging es tiefer in die Klamm. Ein paar Rutschen und Sprünge später kamen sie dann an eine etwas kniffligere Stelle. Hier war nicht klar ob man rutschen konnte oder der Stein dahinter unterspült war, deshalb sprangen sie lieber in das Becken. Da man ziemlich weit nach vorne springen musste, war sich Natalie nicht sicher ob sie es schaffen konnte. Die Kälte und das Adrenalin machten die Situation nicht unbedingt besser. Ich konnte selbst von oben auf dem Steg sehen. wie ihre Knie zitterten. Nach einigem hin und her war Natalie sich sicher, dass sie das nicht springen konnte und alle überlegten sich eine Alternative. Da es keinen Weg zurück gab und ich sie ohne Hilfe nie nach oben auf den Steg bekommen hätte, musste sie da irgendwie durch. Es blieb nur noch rutschen. Einer der Jungs ließ sie, so weit er konnte, die Rutsche hinunter und ein andere positionierte sich unten, um sie sich direkt zu schnappen und aus der Strömung zu ziehen. Ein paar Sekunden später war sie dann, zwar etwas durchgespült aber sicher, unten im Becken. Ab da war es nicht mehr weit bis zum Ende der Klamm und nur wenige Minuten später trieben wieder alle in der Gumpe am Ende der Klamm. Nachdem jeder noch ein paar Mal in die Gumbe gesprungen war, machten wir uns dann wieder auf den Weg zurück nach Lofer.

Auf dem Rückweg kamen dann ein paar von der Wasserwacht auf die Idee, sich etwas oberhalb des Campingplatzes absetzen und von dort aus im Fluss bis zum Platz treiben zu lassen. Patrick wollte zurück, aber Natalie war sofort dabei, also setzen wir sie ab und fuhren dann wieder zurück. Am Campingplatz beschloss ich, dass ich mich nicht völlig umsonst in den Neo gezwungen haben wollte, also ging ich den Fluss am Platz nach oben, um zu mindestens das letzte Stück noch mit ihnen zu schwimmen. Das kalte Wasser tat mir gut und wir planschten noch ein wenig, bis es uns zu kalt wurde und wir zurück zu unserem Platz gingen.

Nach und nach trudelten immer mehr Leute von der Wasserwacht und dem MTV am Campingplatz ein und die Runde um das Lagerfeuer am Abend wurde immer größer. Mit Lagerfeuerliedern und Gitarre ließen wir den Abend ausklingen und waren gespannt, was die nächsten Tage noch an Abenteuern für uns bereithalten würde.

Fortsetzung folgt

 

Leave a Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.