Urlaub in Lofer Teil 3

 

Urlaub in Lofer Teil 3

Nachdem wir alle aus dem Zelt gekrochen waren und erst einmal ordentlich gefrühstückt hatten, wollten Natalie und ich schon gleich los. Leider war Patrick so ganz und gar nicht motiviert. Nach ewigen Übererdungsversuchen hatten wir ihn dann wenigstens so weit, dass er mit uns den Fluss hinab bis nach Lofer zur Rennstrecke mitkommen wollte. Unser Plan war es, in Lofer mit der Gondel zur Mittelstation zu fahren und von dort über den Wasserfallweg (ein nicht anspruchsvoller Lehrpfad, den man auch gut mit Kindern machen kann) bis hoch zur Loferer Alm zu wandern. Wie am vorherigen Tag wanderten wir den Fluss entlang bis nach Lofer. An der Strecke besuchten wir dann noch kurz die anderen und versorgten noch alle mit Wasser. Als wir weiter wollten, hatte Patrick seinen Entschluss gefasst. Er wollte nicht mit und lieber bei den anderen an der Strecke bleiben. Natalie und ich waren ziemlich enttäuscht, da wir extra eine nicht zu lange und gut machbare Route herausgesucht hatten. Da wir hoch motiviert waren, beschlossen wir alleine weiter zu gehen. Wir verabschiedeten uns von allen und machten uns auf den Weg zur Gondel. Vor der Gondel in Lofer war die Überraschung dann groß.

Es kommt immer alles anders als man denkt

Zu unserem Entsetzen mussten wir feststellen, dass die Gondel noch gar nicht in Betrieb war. Da standen wir also und wussten nicht weiter. Nach einem kurzen Krisenrat kamen wir zu dem Schluss, dass doch eh kein Mensch eine Gondel braucht und entschieden uns dazu, einfach die ganze Strecke vom Tal aus zu laufen. Es dauerte nicht lange, bis wir neben der Gondel einen Wanderwegweiser entdeckten, der uns den Weg zur Loferer Alm anzeigte. Es gab zwei Möglichkeiten. Über die geteerte Straße, oder über einen kleinen Trampelpfad. Wir entschieden uns natürlich für den Trampelpfad. Und schon marschierten wir los, immer im Zickzack, den Serpentinen folgend, unter der Gondel hindurch. Ich denke jeder der hin und wieder Wandern geht, kennt diese verfluchte erste halbe Stunde, in der einem das Herz bis zum Hals schlägt, man das Gefühl hat nicht genug Luft zu bekommen, die Muskeln bei jedem Schritt brennen und man sich verzweifelt fragt, wie man es je bis zum Gipfel schaffen soll. Das einzige, dass dagegen hilft ist einfach immer weiter zu laufen und sich daran zu erinnern, dass es vorbei geht. Nachdem wir das erste qualvolle Stück hinter uns gelassen hatten, ging es durch einen kleinen Bauernhof und dahinter folgten wir wieder dem Pfad Richtung Loferer Alm. Er führte schön geschwungen weiter bergauf, immer nahe der geteerten Straße, was aber nicht weiter störte, da dort so gut wie kein Verkehr herrschte. Hin und wieder kreuzte unser Weg die Straße bis wir schließlich ein Stück hinter der nächsten Alm (wir hatten riesigen Hunger, doch sie war leider geschlossen) die Mittelstation erreichten.

Der Wasserfallweg

Direkt hinter der Mittelstation startete dann der Wasserfallweg. Erneut ein Trampelpfad der parallel zur Mautstraße, die ebenfalls zur Loferer Alm führte, verlief. Der Weg schlängelte sich neben der Straße durch den Wald, bis er sich von ihr trennte. Wie folgten ihm weiter, immer tiefer durch den Wald, bis wir nicht viel später das Rauschen der Wasserfälle hören konnten. Bald darauf lichtete sich der Wald ein wenig und wir hatten die Wasserfälle erreicht. Der Weg ging weiter in Serpentinen am Bach entlang, so dass man jeden einzelnen der Wasserfälle gut einsehen konnte. Es sah aus wie aus einer anderen Welt. Einer Welt in der es Fabelwesen nicht nur in Märchen gibt und einfach alles möglich ist.  Verträumt schlängelte sich der Bach durch das satte Grün des Waldes. Wir schlenderten daran entlang und machten ein paar Fotos als wir das erste Donnergrollen hörten. Es klang noch sehr weit entfernt, doch wir entschieden uns trotzdem einen Zahn zuzulegen um es noch bis zur Alm zu schaffen. Das knurren in unseren Mägen und das Gewitter hinter uns trieben uns immer weiter voran. Das Donnern kam immer näher und langsam wurde uns bewusst, das wir es wohl nicht schaffen würden, dem Gewitter davon zu laufen. Es begann zu nieseln, doch wir liefen weiter. Als der Regen immer schlimmer wurde und das Gewitter schon fast über uns war, brachten wir uns dann doch lieber unter dem Dach einer kleinen Scheune, an der wir vorbeikamen, in Sicherheit. Wir wollten das Unwetter vorbeiziehen lassen, um dann unseren Weg zur Loferer Alm fortzusetzen.

Das Unwetter

Da saßen wir also, unter dem Dach der Scheune und warteten darauf, dass das Gewitter vorbeizog, doch es wollte einfach nicht besser werden. Ganz im Gegenteil. Der Regen wurde immer stärker und um uns herum blitzte und donnerte es wie verrückt. Wir warteten und warteten doch es war keine Besserung in Sicht. Der Regen wurde so stark, dass das Wasser den ganzen Hang hinunterlief und wir uns sogar hinstellen mussten, damit unsere Hintern nicht nass wurden. Als der Regen dann endlich etwas nachließ und wir unsere Sachen packen wollten um weiter zu gehen, schlug das Wetter erneut um. Es begann zu hageln und das nicht nur ein bisschen. Die Hagelkörner prallten vom Boden ab und schossen uns gegen die Beine, sodass wir uns ganz dicht an die Wand der Scheune pressen mussten. An weitergehen war nicht mehr zu denken. Es wurde immer kühler und die Nässe ließ es einem noch ein paar Grad kälter erscheinen. Dazu kam noch, dass wir langsam das Gefühl hatten bald zu verhungern und es fing auch schon an zu dämmern. Nach über einer Stunde lies der Regen dann endlich nach und wir konnten unseren Weg fortsetzen. Da wir uns sicher waren, dass die Loferer Alm schon geschlossen hatte und wir unbedingt noch versuchen wollten, bevor es ganz dunkel wurde, das Tal zu erreichen entschieden wir uns dafür die Wanderung abzubrechen und uns auf den Rückweg zu machen. Da wir uns nicht ganz sicher waren wie lange das Licht noch halten würde gingen wir lieber auf die geteerte Straße, um ihr dann zurück ins Tal zu folgen. Auf dem Weg zurück wurden wir aber dann noch für unser Ausharren im Unwetter belohnt. Vor uns erschien ein wunderschöner Regenbogen und wir konnten perfekt beobachten wie der Nebel im langsam schwindenden Licht durch das Tal zog. Dieser Anblick war eine nette Entschädigung. Wir spazierten die Straße in der Dämmerung zurück und schafften es gerade noch, bevor es ganz dunkel wurde, ins Tal. Da wir bereits langsam begannen uns selbst zu verdauen, entschieden wir uns noch für den Besuch in einem Restaurant, bevor wir uns auf den Weg zurück zum Campingplatz machten. Wir landeten schließlich in Restaurant „Am Platzl“ und gönnten uns zur Belohnung erst einmal ein 2 Gänge Menü. Das Restaurant wirkte doch etwas edler und wir kamen uns mit unseren dreckigen und nassen Klamotten etwas fehl am Platz vor, doch die Servicekräfte waren alle sehr nett und wir konnten unser Essen in vollen Zügen genießen. Während dem Essen kamen dann auch schon die ersten Nachrichten von unseren Freunden auf dem Campingplatz, die sich langsam Sorgen machten, wo wir so lange blieben. Da eine Freundin am nächsten Tag Geburtstag hatte, aßen wir schnell auf um uns auf den Rückweg zu machen, damit wir noch mit ihr in ihren Geburtstag hinein feiern konnten.

Das letzte Stück bis zum Campingplatz zog sich ungemein, da wir von der Kälte und der, doch länger als geplanten, Wanderung ziemlich erschöpft waren. Zurück auf dem Platz feierten wir dann noch ein paar Stunden mit den anderen bis wir uns dann vollkommen ausgelaugt in unser Zelt zurückzogen.

Der letzte Tag

Der Urlaub war leider schon wieder vorbei. Die Zeit war viel zu schnell vergangen, aber wir mussten alle wieder zurück nach München. Da ein paar der Paddler noch Bootfahren gehen wollten und wir uns auch noch nicht recht von Lofer verabschieden wollten, entschieden wir uns dazu den Tag noch am Fluss zu verbringen bevor es zurück ging. Wir packten unsere Sachen und bauten das Zelt ab. Nachdem wir uns von allen verabschiedet hatten, ging es auch schon los zum Einstieg für die Paddler. Wir halfen ihnen noch mit dem Umsetzen der Autos und machten es uns dann am Ausstieg gemütlich, um auf sie zu warten. Es war ein entspanntes Ausklingen des Urlaubs, einfach mal nichts zu machen, am Ufer zu liegen, sich von der Sonne anscheinen zu lassen und dem Rauschen des Baches zu lauschen. Einfach einmal relaxen nach so einem unternehmungslustigen, aber auch anstrengendem Urlaub. Als die anderen dann vom Bootfahren zurückkamen, hieß es dann sich von Lofer zu verabschieden. Wir machten uns auf den Weg zurück nach München, aber es war sicher nicht das letzte Mal das Lofer uns zu Gesicht bekam.

Was wir daraus gelernt haben

 

  • Gondeln fahren nicht das ganze Jahr über

  • man sollte sich einen Wetterbericht anschauen bevor man wandern geht

  • auf Regen folgt Hagel

  • immer Essen mit auf den Berg nehmen

 

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