Wenn die Natur zurück schlägt und Franzi ihr Opfer wird

 

Kochel am See

 

Mir wurde mal wieder die Ehre zu teil, zwei Tage am Stück frei zu bekommen, also war uns sofort klar, dass es wieder einen kleinen Campingausflug für uns geben würde. Dieses Mal war unser Ziel Kochel am See. Da wir absolut keine Sekunde unserer freien Zeit vergeuden wollten, ging es am Abend, direkt nach der Arbeit, auch schon los. Wir hatten uns vorab schon einen schönen Campingplatz direkt am See herausgesucht, den wir ansteuerten. 

Gegen 2 Uhr nachts kamen wir endlich an und wer hätte das gedacht, der Campingplatz war natürlich schon geschlossen. Wir stellten unser Auto davor ab, und schlichen uns auf den Platz, um zu schauen ob wir irgendwo rein fahren, und unser Zelt aufstellen konnten. Nachdem uns der Campingplatz viel spießiger vorkam, als er im Internet den Eindruck gemacht hatte, befürchteten wir, für so eine Aktion am nächsten Tag gewaltig Ärger mit dem Besitzer zu bekommen. Ich muss zugeben, diese ganze Aktion war wohl nicht so gut durchdacht.

 

Wie die Sardinen in der Dose

Wir gingen zurück zum Auto, und überlegten, was wir machen sollten. Die einzig logische Alternative war es, die Nacht im Auto zu verbringen und uns dann am nächsten Morgen anzumelden. 

Das einzige Problem dabei war, dass mein Auto einfach verdammt klein ist und zudem auch noch voll bepackt mit Campingausrüstung war, aber wohin um 2 Uhr nachts? 

Wir versuchten das Beste aus der Situation zu machen, stellten die Sitze so weit zurück wie es eben ging und kuschelten uns in die Schlafsäcke. 

Wie zwei Raupen lagen wir auf Fahrer- und Beifahrersitz. Bequem ist definitiv etwas anderes. 

Es dauerte ewig, bis wir endlich unruhig einschliefen. Wir wälzten uns die ganze Nacht (also die 4 Stunden die wir irgendwie versuchten zu schlafen) hin und her. Als wir es gegen 7 Uhr beide nicht mehr aushalten konnten, entschieden wir uns dafür, den Campingplatz noch einmal bei Tag in Augenschein zu nehmen. Uns war schnell klar, dass wir uns nicht wirklich wohl fühlten. 

Wir ziehen um

Zurück beim Auto überlegten wir uns, was wir jetzt machen sollten. Mir viel ein, dass ich bei der Suche nach einem Campingplatz noch einen weiteren gesehen hatte, der gar nicht weit entfernt war. 

Wir räumten unser Bett weg (also wir stopften die Schlafsäcke wieder irgendwie nach hinten) und machten uns auf den Weg zum anderen Campingplatz. Er war zwar deutlich kleiner, wurde aber von einem super netten und entspannten jungen Paar geführt. Wir fühlten uns direkt wohl. 

Nach der Anmeldung bauten wir erst einmal unser Zelt auf und frühstückten ausgiebig (ausgiebig frühstücken bedeutet bei uns Literweise Kaffee). 

Nachdem wir beide von der ungemütlichen Nacht im Auto völlig geschafft waren, beschlossen wir eher einen kleinen Ausflug zu machen und die Wanderung auf den nächsten Tag zu verschieben. Unser Ziel war der Lainbachfall.

Was sind Wanderwege?

Wir machten uns auf den Weg zum Lainbachfall. Als wir den Wanderweg endlich gefunden hatten (wir müssen dringend an unserem Orientierungssinn arbeiten) ,folgten wir ihm den kleinen Bach entlang. Es dauerte nicht lange und wir waren mitten im Wald und von Kochel war nichts mehr zu sehen. 

Der Bach hatte unzählige kleine Wasserfälle und wir gingen immer weiter flussaufwärts. Als der Weg sich dann immer weiter vom Bach entfernte, waren wir heilfroh als wir einen kleinen Trampelpfad entdeckten, der wieder zu ihm zurück führte. 

Wir mussten nicht lange überlegen, und folgten dem kleinen Pfad. Er führte direkt an dem kleinen Bach entlang und hin und wieder mussten wir ein Stück durch den Bach, oder ihn überqueren um dem Pfad auf der anderen Seite weiter zu folgen.

So ging es immer weiter und der Trampelpfad belohnte uns immer wieder mit dem Blick auf die kleinen Wasserfälle des Bachs. An manchen Stellen war der Weg recht steil und auch matschig, aber es war alles noch gut zu bewältigen. Wir kletterten neben den Stufen des Bachs immer weiter Bergauf. Von unserem eigentlichen Wanderweg war weit und breit nichts mehr zu sehen. 

Nach einer weiteren Stufe schauten wir ziemlich verdutzt, als vor uns eine südländische Familie stand, die dort planschten, grillten und wohl irgendein Fest feierten. Wir gingen, etwas peinlich berührt, schnell weiter, denn wir fühlten uns als würden wir einfach durch ihr Wohnzimmer spazieren. 

Ich frage mich immer noch, wie sie es geschafft haben, das ganze Gerümpel, das sie dabei hatten, dorthin zu schaffen. 

Nur kurz darauf endete unser Weg bei einem größeren Wasserfall, aber es war noch nicht der Lainbachfall, dass wurde uns schnell klar. Wir mussten im „Wohnzimmer“ der Familie eine Abzweigung verpasst haben. Keiner von uns wollte so recht zurück, denn die Situation dort war einfach zu eigenartig. 

Wie wir dort durch liefen und alle uns anstarrten und uns deutlich spüren ließen, dass wir ihr kleines Fest störten. 

Am Wasserfall selbst ging es nicht mehr weiter, also beäugten wir den Steilhang rechts daneben. Wir bildeten uns mal wieder unsere imaginären Wege ein und entschieden, dass es machbar aussah. 

Ich voraus, kraxelten wir den Hang hinauf. Im Nachhinein betrachtet ziemlich dumm, denn dort waren definitiv keine Wege. 

Immer weiter kämpften wir uns, auf Händen und Füßen hinauf. Und was fanden wir am Ende des Hanges? Unseren Wanderweg. 

Wir waren so erleichtert, nach der Tortur am Hang. Wir folgten dem Weg der kurz darauf zu einer Brücke über den Lainbach führte. Danach führte ein Trampelpfad zu dem Wasserfall, den wir gerade erst von unten bestaunt hatten und ratet mal. Wir mussten ihm natürlich wieder folgen. 

Wir hatten es nicht geschafft auch nur 5 Minuten auf dem richtigen Wanderweg zu bleiben. Ich stieg durch den Stacheldrahtzaun und warnte Natalie noch, die mal wieder damit beschäftigt war sich mit ihrer Kamera zu unterhalten. 

Manchmal habe ich das Gefühl sie spricht lieber mit ihr, statt mit mir. 

Ich ging schon einmal ein Stückchen voraus bis ich Natalie hörte, die ganz selbstverständlich mal wieder voll in den Stacheldrahtzaun gelaufen war. Manchmal frage ich mich ob es an Natalie liegt, oder ob die Zäune sie vielleicht mit einer art Sirenengesang anlocken. Normal ist das auf jeden Fall nicht.

Als Natalie es endlich durch den Zaun geschafft hatte, schauten wir uns den Wasserfall noch einmal von oben an. Da wurde uns erst wirklich bewusst, wie unglaublich Steil der Hang, den wir gerade noch hochgeklettert waren, tatsächlich ist. Ich weiß nicht ob wir dumm oder hin und wieder einfach nur etwas lebensmüde sind.

Wir gingen wieder zurück zum Wanderweg, und folgten ihm dann weiter in Richtung Lainbachfall. 

Der Lainbachfall

Nach nicht einmal 10 Minuten war uns klar, warum wir so gerne Trampelpfaden folgten. Im Vergleich zu unserem bisherigen Weg, war der Wanderweg einfach langweilig, aber wir folgten im trotzdem immer weiter, was aber wohl eher daran lag, dass nirgendwo ein Trampelpfad mehr war. 

Wir kamen noch an einigen größeren Stufen vorbei, über die das Wasser plätscherte, bevor es dann immer steiler bergauf ging. Bald darauf hörten wir auch schon das Rauschen des Lainbachfalls. 

Nach einer weiteren Brücke standen wir dann endlich vor dem Lainbachfall. Man konnte toll sehen, wie sich das Wasser, über Jahre hinweg, durch den Stein gefressen hatte. 

Wir machten eine Rast, bevor wir uns wieder auf den Rückweg machen wollten. Wir hatten nichts zu essen mitgenommen und langsam wurde der Hunger immer größer. 

Als wir uns auf den Weg machen wollten, kam ein Pärchen aus der anderen Richtung. Wir fragten sie, ob der Weg von dem sie kamen auch nach Kochel zurück führte, weil wir es langweilig fanden, den selben Weg wieder zurück zu nehmen. 

Sie erklärten uns wo wir bei diesem Weg in Kochel landen würden und meinten, dass es nicht weit wäre und auch nicht zu anspruchsvoll, so das es auch für uns machbar wäre. Ich weis nicht woran es liegt, dass uns alle, die wir beim Wandern treffen, für unfähig halten. Vielleicht sehen wir aus wie die absoluten Bewegungslegastheniker. Ich weiß es auch nicht, aber mich würde interessieren, was sie sagen würden, wenn sie wüssten, wo wir schon überall herum geklettert sind. 

Das ist immer so eine Sache, in unserer Gesellschaft. Wir beurteilen Leute immer viel zu schnell nach ihrem Äußeren. Nur weil jemand nicht aussieht wie der typische Wanderer, heißt es ja nicht gleich, dass er es nicht kann und nicht weiß was er tut. Das ist uns inzwischen schon sehr oft passiert, und wird auch sicher noch einige Male vorkommen, aber so ist es halt einfach. Da muss man drüber stehen. 

 

Die Natur schlägt zurück 

Wir entscheiden uns also den neuen Weg zu nehmen und machten uns auf nach Kochel. Der Wanderweg war tatsächlich in keiner Weise anspruchsvoll, aber immerhin bot sich uns eine andere Aussicht und wir hatten noch genug Energie um ein paar kleinen Trampelpfaden zu folgen und ein wenig herum zu albern. 

Wir hopsten singend den Weg entlang. Uns war aufgefallenen, dass man als Kind immer fröhlich herum gehopst ist, das aber irgendwann im Alter aufgegeben hat. Ihr müsst unbedingt auch mal wieder hopsen. Das macht einfach fröhlich, ohne das man etwas dagegen machen könnte.

Wir unterhielten uns gerade darüber, dass uns wohl keiner glauben würde, wie bekloppt wir sind und ernsthaft durch den Wald hopsen, als das Unglück seinen Lauf nahm. 

Wir hörten ein lautes Knacken und im nächsten Sekundenbruchteil schlug mir etwas hart ins Gesicht. 

Ihr kennt ja sicher alle die Comics in denen jemand auf einen Rechen tritt. Es war das selbe Prinzip. 

Natalie war auf einen dicken Stock gesprungen, der nach oben schoss und mich mit voller Wucht im Gesicht traf. Ich wusste nicht ob ich lachen oder weinen sollte. Der Stock hatte mich wirklich heftig getroffen und ich war nur froh das ich noch alle meine Zähne hatte. 

Als Natalie den ersten Schreck überwunden hatte, brach sie in schallendes Gelächter aus und dann war es auch um mich geschehen. 

Wie hoch ist denn bitte die Wahrscheinlichkeit, dass so etwas passiert. Innerhalb kürzester Zeit wurde meine Wange rot und schwoll an. Es sah aus, als hätte mir jemand mit aller Kraft eine Ohrfeige verpasst. Wir entscheiden, dass es wohl die Rache der Natur war, weil wir so viel abseits der Wege gegangen waren. 

Wir gingen weiter in Richtung Kochel, aber jedes Mal wenn Natalie meine dicke Backe sah, ging das Gelächter wieder von vorn los. 

Als wir endlich Kochel erreichten, tat uns beiden schon der Bauch weh, vom vielen Lachen und dem inzwischen riesigen Hunger. Wir beschlossen noch etwas essen zu gehen, bevor wir uns auf den Rückweg zum Campingplatz machten.

 

Täglich ein kleines Wunder

Nach dem Essen machten wir uns auf den Rückweg zum Campingplatz. Ganz untypisch für uns, war es sogar noch hell. 

Wir gingen am Ufer des Kochelsees entlang, als die Sonne sich langsam dem Horizont näherte. 

Wir legten einen Zahn zu, um uns noch eine Picknickdecke und etwas zu trinken zu holen, um uns den Sonnenuntergang in aller Ruhe anschauen zu können. Man nimmt sich einfach viel zu selten die Zeit, dieses Naturspektakel wirklich zu genießen. Es ist für uns zu alltäglich geworden, als das wir es noch wirklich zu schätzen wüssten. 

Wir suchten uns einen schönen Platz am See und beobachteten, wie der Himmel seine Farben änderte. Es ist einfach kein Sonnenuntergang wie der andere. 

Als die Sonne dann untergegangen war und es langsam kühler wurde, beschlossen wir, dass es Zeit zum schlafen war. Der Tag war lang gewesen und die Nacht um so kürzer und für den nächsten Tag stand eine größere Wanderung auf dem Plan.

Was wir daraus gelernt haben

  • Wir sollten auch wenn wir nur spazieren gehen wollen Wanderschuhe anziehen

  • Nicht alles was wir für einen Trampelpfad halten ist auch einer

  • Beim wandern immer Sicherheitsabstand zu Natalie halten (mindestens eine Stocklänge)

  • Wir müssen uns mehr Zeit für Sonnenuntergänge nehmen

 

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